"Frauen gehören nicht in den Vertrieb?"

Seit 25 Jahren arbeitet Anne Connelly in der Investmentfonds-Branche. Die meiste Zeit war sie allein unter Männern. Um den Anteil von Portfolio-Managerinnen oder Analystinnen zu steigern, hat Connelly das Karrierenetzwerk "Die Fondsfrauen" gegründet. Sie fordert ihre Kolleginnen auf, mehr Mut und Unerschrockenheit bei der Karriereplanung zu zeigen - und bietet Unternehmen Unterstützung an, um einen überfälligen Kulturwandel einzuleiten. Wie es zu der Gründung ihres Netzwerkes gekommen ist, hat Anne Connelly für die SAAL ZWEI-Management-Kolumne aufgeschrieben.
München, den 07. Januar 2015 - Von Anne E. Connelly

"Frauen gehören nicht in den Vertrieb". Dies war die Aussage einer männlichen Führungskraft, als ich 1992 nach einigen Jahren im Fondsgeschäft aus den USA nach Deutschland zurückkehrte und  meine ersten Schritte in der deutschen Fondsindustrie machte. Ein freundliches Willkommen sieht anders aus. Inzwischen sind die Sitten nicht mehr so rau, Vorurteile werden subtiler ausgeübt. Meine Unerschrockenheit ist ein Wesenszug, der nicht generell erwartet werden darf im Berufsalltag. Einer von vielen Gründe, warum ich gemeinsam mit zwei Branchenkolleginnen die Fondsfrauen ins Leben gerufen habe.
Die Fondsfrauen sind ein neues Karrierenetzwerk von Frauen für Frauen in der Investmentfondsbranche, eine wahre Männerdomäne. Nur acht Prozent der in Deutschland aufgelegten Investmentfonds werden von weiblichen Portfolio-Managerinnen geführt. Wohl wissend, dass mehr als 50 % aller Hochschulabschlüsse weltweit auf das Konto von Frauen gehen und es an gut ausgebildetem weiblichen Talent nicht mangelt. Eine geringe Quote gilt auch für Frauen in Managementfunktionen in der Investmentfondsbranche. Das wollen wir ändern.

Kind und Karriere - in den USA funktioniert es

Ein Index, der regelmäßig den Anteil weiblicher Fondsmanagerinnen misst, wird eine unserer Maßnahmen sein. Zudem planen wir, eine Studie zum Frauenanteil der gesamten Fondsbranche herausgeben. Neben reinen Zahlen sind die weichen Faktoren aus unserer Sicht der wesentliche Grund, die Frauen davon abhalten, Karrieren zu machen. Die möchten wir näher anschauen und dies nutzen, um u.a. den Dialog mit Unternehmen zu suchen, wie sie effektivere Programme zur Frauenförderung gestalten können.
Eine wesentliche Möglichkeit, Veränderungen herbeizuführen, ist es Mentoren bzw. Vorbilder zu haben, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Während meiner Zeit in den USA war ich zunächst in einer administrativen Funktion bei einem Arbeitgeberverband tätig. Ich habe mit Staunen beobachtet, wie viele weibliche Managerinnen es dort gab, von denen etliche Kinder hatten und mit großer Selbstverständlichkeit Vollzeit arbeiteten. Ich dachte mir, Kind und Karriere, das geht doch.

Fachwissen plus Mut ergibt eine Karriere

Die vorgelebte Vereinbarkeit von Kind und Karriere ist ein Baustein, um Karriereanreize zu schaffen. Talente zu erkennen, zu fördern und vor allem, sich fördern zu lassen, ein anderer. Als ich 1989 bei einem der ältesten amerikanischen Fondshäuser in die Branche eintrat, gab es nur wenige ausgebildete Fachkräfte für den Fondsbereich. Ich wurde intern geschult, habe eine SEC-Prüfung bestanden - der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission - und Karriere gemacht. Mein Werdegang kann als bezeichnend gelten für eine aufstrebende Branche, in der man Talent ausbildet und Quereinsteiger fördert. Dies sollte in der reiferen Phase fortgeführt werden, da es nicht nur Talente fördert, sondern auch Loyalität zum Unternehmen.
Dass Fachwissen allein ausreicht für eine Karriere, ist ein weiblicher Irrglaube. Der niedrige Frauenanteil in leitenden Positionen verdeutlicht dies, denn Frauen sind heute sehr gut ausgebildet Die berühmte "gläserne Decke" zu bemühen, mache ich nur ungern. An was es vielen Frauen mangelt aus meiner Sicht, ist der Mut und Ermunterung. Sich einfach auf die ausgeschriebene Position bewerben, auch wenn nicht alle Voraussetzungen hundertprozentig erfüllt sind. Was ist schon perfekt im Leben?  Mut zur Macht schadet nicht. Wer wurde schon als Manager geboren? Wir wachsen mit unseren Aufgaben, wir müssen uns denen nur stellen.

Lassen Sie sich nicht vom rauen Umgangston abschrecken!

Wir Fondsfrauen wollen mit unserer Initiative Frauen zur Karriere ermutigen. Welche Faktoren wegweisend sein werden, wollen wir herausfiltern und angehen. Vielleicht schreckt auch der eingangs erwähnte rauere Umgangston oder überhaupt das Thema Geld ab, Frauen dauerhaft für diese Branche und verantwortliche Positionen zu gewinnen. Der Umgangston wandelt sich durch gesellschaftliche Änderungen und einfach durch mehr Damen. Die kommende Frauenquote will hier Signale setzen. Wir hingegen wollen zum Kulturwandel beitragen, der wesentlicher sein wird im Berufsalltag. Finanzen nahbar und interessant zu machen, bleibt eine generelle Herausforderung, die wir später in Angriff nehmen wollen. Ich kann mir jedenfalls keine spannendere Branche vorstellen, als die unsere. Auch wenn ein inzwischen längst in Rente entsandter Manager meinte, ich gehöre hier nicht hin. Wessen Problem war das nochmal?

Anne E. Connelly ist Director Marketing EMEA beim Fondsanalysehaus Morningstar Europe Ltd. Im November 2014 hat die zweifache Mutter von Teenagern das Karrierenetzwerk Fondsfrauen GmbH als geschäftsführende Gesellschafterin ins Leben gerufen.
An dieser Stelle berichten abwechselnd Managerinnen und Unternehmerinnen aus ihrem Führungsalltag - exklusiv für SAAL ZWEI-Leserinnen. Weitere Informationen zu den regelmäßigen Kolumnistinnen finden Sie hier.

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