"Irgendwie steckt die Selbstständigkeit in mir"

Sie ist gerade mal 29 und eröffnet im kommenden Sommer ein 15 Mio.-Euro Hotel an der Nordsee. Zwar hat Isa Schneider die Unterstützung ihres Mannes und ihrer Eltern, dennoch macht es die Aufgabe nicht einfacher: Sie will nicht nur ein 4 Sterne-Hotel in Büsum etablieren, sondern auch den verschlafenen Urlaubsort für junge Menschen und Junggebliebene attraktiver machen.
Hamburg, den 07. Dezember 2016 - Von Stefanie Bilen
Die Junior-Chefs: Isa und David Schneider

SAAL ZWEI: Frau Schneider, Sie sind von Frankfurt nach Büsum gezogen, um dort ein Hotel zu betreiben. Was hat Sie dazu bewogen, aus der Mitte Deutschlands in die norddeutsche Provinz zu ziehen?

Isa Schneider: Ich bin in Büsum aufgewachsen und für mich stand schon immer fest, dass ich in meinem Heimatort ein Hotel betreiben will. Meine Mutter führt und besitzt seit meiner Kindheit ein kleines Frühstückshotel im Ort, mein Vater hat einen der Campingplätze in Büsum von meinem Opa übernommen.
Ich weiß noch, wie ich meinen Großvater im Alter von 14 Jahren fragte, ob ich später mal das Restaurant auf seinem Campingplatz abreißen dürfe, um ein Hotel darauf zu bauen. Die Hotellerie reizte mich schon damals: Ich half meiner Mutter, wo ich konnte bzw. durfte; ich arbeitete am Frühstücksbuffet mit, putzte die Zimmer und arbeitete an der Rezeption.
Und ich wollte schon immer mein eigener Chef sein. Ich habe in meinen Tätigkeiten nach dem Studium zwar gezeigt, dass ich mich auch unterordnen kann, aber ich habe einen eigenen Kopf. Irgendwie steckt die Selbstständigkeit in mir.

Zusammen mit Ihrem Mann sind Sie eines der jüngsten Hotelier-Ehepaare Deutschlands und gehen kein geringes Risiko ein. Ihr Hotelneubau kostet rund 15 Millionen Euro – und Sie eröffnen ein Familienhotel in einem Urlaubsort, wo das Durchschnittsalter bei Mitte 50 liegt. Woher nehmen Sie die Zuversicht, dass es klappt?

Es tut sich unglaublich viel in Büsum. Das Fremdenverkehrsamt unternimmt einiges, um jüngere oder junggebliebene Menschen zu uns zu locken. Es ist eine sogenannte Familienlagune mit Beachclubs entstanden, an der Konzerte stattfinden oder wo Spielplätze für Kinder errichtet wurden. Das wird sehr gut angenommen. Es ist für Hamburger beispielsweise eine echte Option geworden, in nur einer Stunde nach Büsum zu kommen statt mehrere Stunden am Wochenende nach Sylt unterwegs zu sein.
An der beschriebenen Lagune eröffnen wir unser Hotel. Als modernes Haus mit einem großen Wellness- und Spa-Bereich sowie einer Bar und einem Restaurant machen wir uns zudem unabhängig vom Wetter. Bei uns können Paare oder Familien auch bei Regenwetter eine schöne Zeit verbringen.
Selbstverständlich sind wir nicht blauäugig an das Projekt herangegangen: Meine Eltern haben ihre Erfahrungen mit eingebracht, mein Mann und ich frische Ideen und den jüngeren Blick. Nur mit dieser Kombination haben wir übrigens den Kredit von unserer Bank bekommen.
Zu Beginn des Projektes gaben wir beispielsweise eine Machbarkeitsstudie bei einem Beratungsunternehmen in Auftrag. Wenn wir im ersten Jahr eine durchschnittliche Auslastung von nur 59 Prozent haben, erreichen wir bereits Break Even auf operativer Basis. Tatsächlich gehen wir aber davon aus, dass wir eine höhere Auslastung schaffen. Büsum verträgt unbedingt mehr Hotels. Aktuell stehen nur sieben bis acht Prozent Hotelbetten für Urlauber zur Verfügung, alle anderen weichen auf Ferienwohnung und Privatzimmer aus. Der Trend geht aber hin zu Kurzurlauben, in denen sich die Gäste mehr Komfort wünschen und sich ihr Frühstück nicht mehr selbst besorgen wollen. Laut Fremdenverkehrsämtern ist übrigens ein Hotelbettenanteil von 40 Prozent empfohlen. Es gibt also noch viel Luft nach oben in Büsum.

Isa Schneider mit Ehemann und Eltern

Sie sind ein echtes Familienunternehmen: Sie, Ihr Mann und Ihre Eltern arbeiten mit. Wie teilen Sie sich die Aufgaben auf?

Es ist uns enorm wichtig, dass jeder seinen eigenen Verantwortungsbereich hat. Mein Mann kümmert sich um Bar, Restaurant und die Veranstaltungen. Meine Mutter wird uns im Operativen unterstützen. Ich verantworte den Personalbereich - derzeit sind wir gerade aktiv auf Mitarbeitersuche –, die Reservierung und die Vermarktung von Veranstaltungen. Mein Vater berät uns heute schon in allen technischen Fragen – wir sind bereits seit dreieinhalb Jahren mit der Planung und dem Bau befasst.
Tatsächlich mussten wir lernen, uns hin und wieder voneinander abzugrenzen. Anfangs waren wir täglich sieben Tage in der Woche zusammen, das haben wir nach einer Weile geändert.
Wenn das Hotel in Betrieb ist – wir eröffnen voraussichtlich Ende Juni – wollen wir auch darauf achten, dass jeder seinen Freiraum bekommt. Meine Eltern sind es gewohnt, sieben Monate durchzuarbeiten – ohne einen Tag Pause. Erst nach Beendigung der Saison gönnen sie sich eine Auszeit. Das wollen wir anders handhaben. Dadurch, dass wir ganzjährig geöffnet haben werden, sollen meine Eltern und auch wir mindestens einen Tag pro Woche frei machen. Mal gucken, ob es uns gelingt.

Isa Schneider hat BWL/Touristik- und Eventmanagement an der "International School of Management" studiert. Anschließend arbeitete sie im Steigenberger Airport Hotel, wo sie ihren heutigen Ehemann, David Schneider, kennenlernte.
Neben den Ehepartnern ist auch Isa Schneiders Mutter Geschäftsführende Gesellschafterin des Hotels Küstenperle, das im Sommer 2017 eröffnet wird.

(Fotos: Küstenperle)


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