"Jetzt geht es darum, auf neuen Märkten Fuß zu fassen"

Sie haben Tech-Firmen aufgebaut und beschäftigen sich mit Themen, die lange als Männerdomäne galten: Biotechnologie, Informatik, Ingenieurwissenschaften. Kommende Woche präsentieren die Unternehmerinnen, die sich alle im sog. Internet der Dinge bewegen, ihre Geschäftsideen auf der Cebit. Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen - und stellen die spannendsten Firmen vor.
Berlin/Hamburg/Mainz/München, den 11. März 2015 - Von Stefanie Bilen

Ambiotex: Stephanie Renda

Stephanie Renda, Co-Gründerin Ambiotex

Start-up:
Ambiotex ist ein Start-up aus dem Hause des Technologie-Unternehmens Match2Blue. Ambiotex hat ein Fitness-Shirt entwickelt, das die Vitalwerte von Sportlern und gesundheitsbewussten Personen mittels Sensoren misst und so individuelle Analysen zum Stress-und Fitness-Level ermöglicht. Ambiotex wurde 2014 gegründet.

Gründer:
Klaus Bscheid ist Co-Gründer und Produkt-Manager. Der IT-ler hat lange für Apple gearbeitet, bevor er Start-ups im Tech-Bereich mit aufbaute.
Andrea Claussen ist Co-Gründerin und medizinische Beraterin. Die Ärztin hat einen Master-Abschluss der Universität INSEAD und arbeitet als Coach.
Thomas Claussen ist Co-Gründer und verantwortet als Geschäftsführer Business Development sowie Investor Relations. Claussen war mehr als 20 Jahre Partner bei Accenture.
Stephanie Renda ist Co-Gründerin und Geschäftsführerin. Zugleich leitet sie das Mutterunternehmen Match2Blue als Geschäftsführerin. Renda gilt als eine der erfolgreichsten Gründerinnen Deutschlands.

Finanzierung:
Ambiotex hat kürzlich eine Finanzierungsrunde mit dem Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen sowie einigen Business Angels abgeschlossen. 

SAAL ZWEI: Frau Renda, vor welcher Herausforderung stehen Sie aktuell?
Stephanie Renda: Vor dem Produktlaunch im April! Bislang haben wir nur mit Prototypen gearbeitet, und nun freuen wir uns darauf, in Fertigung zu gehen – zumal wir bereits sehr viele Bestellungen haben. Gespräche mit geeigneten Lizenzpartnern laufen bereits. 
Zudem hoffen wir, dass wir erfolgreich in den USA Fuß fassen werden. Wir gehen ab April mit der Start-up-Initiative ‚German Accelerator‘ ins Silicon Valley.

SAAL ZWEI: Auf welchen Meilenstein sind Sie stolz?
Stephanie Renda: Auf unseren 'Soft Launch' im November. Darauf, dass wir Ambiotex im selben Monat beim Gartner IT Symposium in Barcelona – einer hochkarätigen Konferenz unter Technologie-Managern – präsentieren durften. Darauf, dass wir als Player im Internet der Dinge ernst genommen, und nicht nur als Fitness-Gadget verstanden werden. Und auf unsere erfolgreich abgeschlossene Finanzierungsrunde natürlich!

Kiwi.ki: Claudia Nagel

Claudia Nagel, Co-Gründerin Kiwi.ki

Start-up:
Kiwi.ki GmbH bietet mit ihrem Service Kiwi den berührungslosen Zutritt zur Hauseingangstür von Mehrfamilienhäusern als Dienstleistung an. Kiwi wird zentral verwaltet, so dass die aufwändige Schlüsselverwaltung und große Schlüsselbunde der Vergangenheit angehören. Zutritte werden in Echtzeit flexibel vergeben oder entzogen und verlorengegangene Transponder einfach deaktiviert. Zudem ist Kiwi über eine App bedienbar. Das Unternehmen wurde 2012 gegründet.

Gründer:
Peter Dietrich ist Co-Gründer und Geschäftsführer Personal und Recht. Der Jurist hat u.a. als Personalberater für Heidrick & Struggles sowie Kienbaum gearbeitet.
Christian Bogatu ist Co-Gründer und Geschäftsführer Produkt, Vertrieb und Marketing. Zuvor arbeitete er als Berater bei McKinsey.
Claudia Nagel ist Co-Gründerin und Geschäftsführerin Operations, Technik und Finanzen. Zuvor arbeitete sie als Unternehmensberaterin für McKinsey. Nagel hat Ingenieurwissenschaften an der TU Berlin studiert.

Finanzierung:
Namhafte private und institutionelle Investoren. Ende 2014 erhielt Kiwi.ki zudem eine Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie der Europäischen Union in Höhe von insgesamt ca. einer Million Euro.

SAAL ZWEI: Frau Nagel, vor welcher Herausforderung stehen Sie aktuell?
Claudia Nagel: In den kommenden Monaten werden wir verstärkt auf die Bewohner zugehen und gerade mit unserem neuen Transponder, dem sog. Ki, auch Kunden ansprechen, denen schönes Design ebenso wichtig ist wie tolle Funktionen.
Was die Ausstattung mit unserer Infrastruktur angeht, planen wir in diesem Jahr, circa 5 % des Berliner Wohnungsbestandes mit Kiwi auszustatten. Zudem werden wir ab 2016 den Roll-out in weitere Städte und Länder vornehmen.

Auf welchen Meilenstein sind Sie stolz?
Auf unsere Kooperationspartner: Mit der Deutschen Post haben wir eine exklusive Partnerschaft für das Öffnen von Mehrfamilienhaustüren im deutschen Markt. Sie nutzt Kiwi derzeit in 21 Berliner Zustellbezirken. Auch die Berliner Recyclingfirma Alba Group oder die Feuerwache Berlin Prenzlauer Berg nutzen Kiwi.
Ein weiterer Meilenstein ist die Installation von nunmehr über 900 Kiwi-Systemen.
Zudem haben wir im Jahr 2014 fast 1 Mio. Euro an Fördergeldern von der IBB, dem BMWi, aus dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand sowie dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung akquirieren können.

Parkpocket: Karoline Bader

Parkpocket-Team mit der Chefin in der Mitte: Karoline Bader

Start-up:
Mit Parkpocket werden Autofahrer in Echtzeit über freie Parkplätze in Parkhäusern, Preise, Öffnungszeiten, freie Elektroladestationen und weitere Details informiert, um anschließend zum gewünschten Parkhaus navigiert zu werden. Der Service ist über eine eigene App verfügbar, kann aber auch in verschiedene digitale Endgeräte und Services integriert werden.

Gründer:
Karoline Bader, 30, hat einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund und aktuell ihre Doktorarbeit zum Innovationsmanagement an der Zeppelin Universität eingereicht. Sie hat Parkpocket ursprünglich mit ihrem Bruder gegründet: 
Stefan Bader, 25: Betriebswirtschaftlicher Hintergrund, hat an der Universität Hohenheim und University of California, Santa Barbara studiert; war im Projektmanagement der Volkswagen-Group South Africa tätig.
Später sind folgende Co-Gründer hinzugekommen:
Benedikt Bergander, 24: Technischer Hintergrund/ Ingenieur; Studium an der TU Darmstadt sowie Universidad de Cantabria.
Marius Schneider, 25: Technischer Hintergrund sowie Design. Studierte digitale Medien an der HS Ulm und war für Hackett Films in Sydney sowie Daimler tätig.
Florian Schuler, 37: Technischer Hintergrund, hat mehr als 15 Jahre Erfahrung als Software Analyst, Software Consultant sowie Systemarchitekt.

Finanzierung:
Mittels Eigenkapital sowie über Wayra, den Accelerator von Telefónica. Aktuell auf Investorensuche. 

SAAL ZWEI: Vor welcher Herausforderung stehen Sie aktuell? 
Karoline Bader: Die Nachfrage am Markt optimal und so schnell wie möglich bedienen zu können. Wir bauen unsere Abdeckung in Deutschland gerade verstärkt aus und haben den Rollout in Österreich und in der Schweiz bereits angestoßen.

Auf welchen Meilenstein sind Sie stolz? 
Unsere App (iOS sowie Android) wurde am 20. Februar 2015 gelauncht und wir hatten nach einer Woche bereits die 10.000-er Hürde an Downloads geknackt. Das war für uns ein großer Erfolg und nur möglich, da unser gesamtes Team, sprich Gründer und Mitarbeiter, so toll zusammen gearbeitet haben, und wir ferner von Förderern unseres Konzepts sowie Partnern wie Telefónica tolle Unterstützung erhalten haben.

Vayu Sense: Katja Beyer

Katja Beyer, CEO Vayu Sense

Start-up:
Vayu Sense AG ist ein Biotech-Unternehmen mit Sitz in Deutschland und Israel. Das Start-up entwickelt Soft- und Hardware für die Pharma- und Gesundheitsbranche. Zur Cebit stellt Vayu Sense ein Messgerät vor, mittels dem der aufwändige Fermentierprozess in der Pharmabranche in Echtzeit überwacht – und so verkürzt und optimiert werden kann. Vayu Sense wurde im September 2014 gegründet.

Moria Shimoni, CTO Vayu Sense

Gründer:
Katja Beyer, CEO und Co-Gründerin, mit langjährigen Erfahrungen im Finanzsektor, u.a. als Stabsleiterin des Finanzvorstands der Deutschen Telekom AG beim Börsengang 1996. Beyer hat ihren Sitz in München und Tel Aviv.
Moria Shimoni, CTO und Co-Gründerin, hat Molekular-, Zell- und Mikrobiologie an der Universität in Tel Aviv studiert. Die Biologin leitet Forschung und Entwicklung von Israel aus – zusammen mit
Noel Axelrod, Co-Gründer und zuständig für Business Development. Der Physiker hat nach zahlreichen wissenschaftlichen Projekten zusammen mit Shimoni bei Physical Logic Ltd.an einer Bio-Monitoring-Erfindung gearbeitet, die schließlich zur Gründung von Vayu Sense führte. 

Finanzierung:
Durch die Gründer sowie einen deutschen Privatinvestor. Offen für strategische Investoren.

SAAL ZWEI: Frau Beyer, vor welcher Herausforderung stehen Sie aktuell?
Katja Beyer: In Israel arbeiten bereits einige Pharmaunternehmen mit unserer Lösung. Jetzt geht es darum, den europäischen Markt zu erobern. Im nächsten Schritt kommen China und die USA dazu.

Auf welchen Meilenstein sind Sie stolz?
Bislang haben unsere Kunden mit unserer Beta-Version gearbeitet, die im Wesentlichen nur im Design von unserem finalen Produkt abweicht. Wir sind sehr stolz dass einige unserer Kunden unser Produkt schon in ihre Produktionsprotokolle aufgenommen haben. Dass wir unsere Innovation und unser finales Produkt auf der Cebit im Rahmen der "Smart Factory"-Initiative vorstellen können, ist für uns eine große Chance. Wir haben potenzielle Kunden auf die Messe eingeladen und sind zuversichtlich, dass sich daraus Geschäftsbeziehungen entwickeln. Und der Markt ist groß: Rund 400.000 Fermenter gibt es weltweit. 

Alle vorgestellten Start-ups gehören zu den 50 Finalisten des Code_n-Wettbewerbs für Digitale Pioniere, die sich auf der Cebit präsentieren. SAAL ZWEI ist Medienpartner von Code_n.

Am 18. März veranstaltet SAAL ZWEI ein Frühstück auf der Cebit und diskutiert mit 30 IT-Spezialistinnen und Interessentinnen über das "Internet der Dinge". Bewerben Sie sich um die Teilnahme und gewinnen eines der letzten Tickets.

SAAL ZWEI abonnieren

Mittwoch ist SAAL ZWEI-Tag:

Erhalten Sie jeden Mittwoch die neue Ausgabe
des Online-Magazins für Frauen direkt in Ihr
Postfach: Businesstrends, Exklusiv-Interviews,
Karrieretipps, Lifestyle, ... – gratis!

Bekannt aus:

SAAL ZWEI-Gastautoren

Kathrin Werner
Birga Teske
Eva Buchhorn