"Mit eigenem Schiff auf dem Ozean - die Maxime der Unabhängigkeit"

Nike Steiger hat ihren Job als Marketing-Manager gekündigt und bricht auf zu einer Weltumsegelung: für drei Jahre und ganz alleine. Sie erfüllt sich damit einen großen Traum - und will auch Daheim-Gebliebene ermuntern, ihre Träume nicht aufzugeben. Als Inspiration wird sie jede Woche ein Video von unterwegs ins Netz stellen.
Hamburg, den 07.08.2013

"Das Meer hat mich schon seit meiner Kindheit fasziniert. Irgendwie gibt es einem unglaublich viel Raum und Zeit für die eigenen Gedanken. Ich bin schon immer viel gereist, aber die Idee, auf eine längere Segelreise zu gehen, hat einen besonderen Reiz für mich. Mit einem eigenen Schiff auf dem Ozean zu sein, ist für mich die Maxime der Unabhängigkeit.
Ich bin wirklich kein Segelfreak, ich will auch keine Rekorde aufstellen. Wenn alles gut läuft, werde ich drei Jahre unterwegs sein, es kann aber auch sein, dass ich schon nach drei Monaten zurück bin. Teile der Reise möchte ich alleine meistern, aber es werden auch mal Freunde oder Reisegefährten, die man unterwegs kennen lernt, ein Stück mitsegeln. Vor der Einsamkeit auf den längeren Strecken habe ich eigentlich keine Angst. Es wird sicher nicht einfach, weil ich meinen Freund und meine Familie vermissen werde. Aber ich habe ein Satelliten-Telefon an Bord und Weihnachten werde ich das erste Mal nach Hause fliegen. Hoffentlich bin ich dann in Chile angekommen – und hab schon ein bisschen Strecke gemacht.

Um auf einem Boot zu leben, muss man sich in viele verschiedene Bereiche einarbeiten: Wetterkunden, Navigation, Motoren und Elektrik, aber auch Proviantierung für lange Zeit auf dem Wasser. Meine Mutter hat mir eine Proviant-Fibel geschenkt, darin ist zum Beispiel erklärt, wie man selbst Joghurt macht oder Bier braut, welche Algen man essen kann. Ein Mechaniker in der Marina in Panama hat mit mir den Motor wieder fit gemacht und mir dabei viele hilfreiche Handgriffe gezeigt. Dank der guten Wettervorhersagen kann man heute versuchen, großen Stürmen möglichst aus dem Weg zu gehen - und falls ich doch mal sehr heftigen Wind haben werde, vertraue ich auf mein sehr stabiles Boot, eine 11 Meter lange Reinke Super 10.

Während der letzten drei Jahre habe ich mich auf diesen Törn vorbereitet. In dieser Zeit habe ich viel mit Freunden und Bekannten darüber gesprochen und gemerkt, dass mein Plan etwas in ihnen auslöst. Sie haben an ihre eigenen Träume gedacht. Das war für mich der Auslöser, warum ich die Plattform "White Spot Pirates" ins Leben gerufen habe. Im ersten Schritt werde ich dort über meine Reise berichten in Form einer wöchentlichen Video-Dokumentation, aber in Zukunft sollen auch andere Piraten dort von dem Erobern ihrer „weißen Flecken“ spreche. Um den Leuten schon mal ein bisschen Appetit zu machen, haben wir einen kleinen Trailer gedreht.
Natürlich würde ich mich auch über Sponsoren freuen, die meine Reise unterstützen. Das wäre zusätzlich zu meinen Ersparnissen, die ich einsetze, eine große Hilfe.

Wie mein Leben nach meiner Rückkehr aussehen wird, weiß ich jetzt noch nicht. Die Reise wird mir sicher viel Inspiration liefern. Bis vor Kurzem habe ich im Marketing gearbeitet und durch die Dokumentation meiner Tour und die Verbreitung über die sozialen Medien bleibe ich ja zumindest teilweise im Thema. Vielleicht ergeben sich für die Zeit danach auch ganz andere Tätigkeitsfelder. Aber jetzt freu ich mich erst mal darauf, die Leinen loszuwerfen!"

Nike Steiger, 32, Hamburg
nike.steiger@gmx.de, White Spot Pirates 
(Hier geht's zum ersten Video.)

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