"Plötzlich öffnet sich eine neue Welt"

Eigentlich ist Büsra Todil Account Manager bei Twitter, seit einer Weile aber auch nebenberufliche Gründerin. Sie hat die Bettwäsche-Marke Nindyaa ins Leben gerufen. Weil sie selbst die europäischen Produkte zu funktional fand und die Wäsche aus Pakistan, dem Heimatland ihres Mannes, zu verspielt, entwarf sie eigene Designs, die jetzt in Lahore produziert werden sollen. Mit einer Crowdfunding-Kampagne will sie ihr Start-up ins Rollen bringen.
Hamburg, den 10. August 2016 - Von Stefanie Bilen

SAAL ZWEI: Büsra, Ihr wollt mit Nindyaa einzigartige Motive und Designs aus aller Welt auf hochwertigen Textilien fertigen lassen. Wie seid ihr ausgerechnet auf Bettwäsche gekommen? 

Büsra Todil: Als mein Mann und ich vor anderthalb Jahren in unsere gemeinsame Wohnung in Hamburg einzogen, war ich direkt auf der Suche nach neuen Heimtextilien. Für unser Schlafzimmer wollte ich wunderschöne neue Bettwäsche haben, die dezent, aber mit schönen Mustern bestickt und nachhaltig hergestellt sein sollte. Ich suchte vergebens, sowohl in Läden, als auch online und konnte nichts finden, das meinen Wünschen entsprach. Ich stellte ziemlich schnell fest, dass Bettwäsche in Europa sehr schlicht und funktional ist, wohingegen Bettwäsche in der Türkei oder Pakistan zum Beispiel - unsere Herkunftsländer - zu verspielt ist. Es musste doch etwas in der Mitte geben!
Die Idee, meine eigene Bettwäsche zu entwerfen und ein Business daraus zu machen, ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Es kostete mich aber Überwindungskraft und Mut, den Schritt ins Unternehmertum zu wagen. Ich begann, meine Produktideen zu skribbeln und Designs zu entwerfen, während mein Mann nach passenden Textil-Lieferanten suchte. Plötzlich öffnete sich uns eine neue Welt - wir konnten etwas Eigenes schaffen; etwas, das unseren Werten und Vorstellungen von Ästhetik entsprach. Wie befreiend!

Eine große Herausforderung für uns war es, einen passenden Hersteller zu finden, der sowohl umweltfreundlich operiert, als auch mit organischer Baumwolle arbeitet. Nach mehreren Monaten und vielen Manufaktur-Besuchen, fanden wir einen passenden Hersteller. Sie nahmen unsere Designs und Produktspezifikationen an und erstellten erste Produktmuster. Und so fing alles an.

Euch ist es ein Anliegen, euer Produktionsland Pakistan als Qualitätshersteller zu promoten. Warum?

Mein Mann kommt auch Lahore und wir besuchen zwei- bis dreimal im Jahr seine Familie in Pakistan. Meine ersten Reise nach Lahore vor vier Jahren machte mir deutlich, dass Pakistan eine hervorragende Textilwirtschaft betreibt, wovon aber viele nichts wissen. Auf den Bazaars erlebte ich die Vielfalt der lokalen Textilproduktion, vor allem der Textildruck und die Bestickungen faszinierten mich.
Leider herrscht in der westlichen Welt eine schlechte Grundstimmung, wenn es um die Textilproduktion in Süd-Asien geht. Hinzu kommt die schlechte mediale Presse über Länder wie Pakistan; viele verbinden Terror und Krieg mit dem wunderschönen Land. Uns liegt es daher am Herzen, das Land zu promoten und mit Nindyaa aufzuzeigen, dass 'Made In Pakistan'-Produkte für sehr gute Qualität stehen und auch umweltfreundlich und nachhaltig sein können.

Wie sieht eure Vision aus: Sollen andere Produktgruppen folgen, wollt ihr groß und berühmt werden...? 

Das wäre natürlich großartig...! (lacht) Dabei ist unsere Herzensangelegenheit jedoch die Integration von Kunst - und damit einhergehend Mustern - in den Alltag. Unsere Bettlaken haben daher einen 'Canvas-Charakter' - sie sind wie eine Art Leinwand, auf der Kunst sichtbar wird. Kunst, die im Alltag Gebrauch findet und uns glücklich macht. Wir laden Menschen dazu ein, ihre Alltagsprodukte aus ganz neuer Perspektive zu betrachten. Mir ist es außerdem wichtig, unsere Bettlaken in einer One-Size-Fits-All-Größe zu produzieren, um aus der klassischen Maß-Denke auszubrechen.

Unsere Preisrange soll zwischen 250 und 350 Euro liegen. Wir arbeiten nur mit 100 Prozent GOTS-zertifizierter organischer Baumwolle, und unsere Satin-Bettlaken haben eine sehr schöne hohe Fadendichte. Uns ist es wichtig, dass unsere Produkte bedeutungsvoll für unsere Zielgruppe sind und sie dank hoher Qualität jahrelang genutzt werden können.

(Fotos: CastorxPollux - Elif Kücük)

Ihr startet in diesen Tagen eine Crowdfunding-Kampagne. Was habt Ihr mit dem Geld vor und wann könnt Ihr die Produkte liefern?  

Wir möchten noch dieses Jahr vor Weihnachten liefern! Unsere erste Kollektion 'Punjab' umfasst zwei verschiedene Bettlaken-Designs und dazu passende Kissenbezüge. Ich habe mich von meiner letzten Reise in den Norden von Punjab inspirieren lassen. 'Katas Raj' ist klassisch weiß mit einer dezenten Blumenbestickung, wohingegen 'Lahori Dirwaza' aus einem schönen Grauton besteht und kleine südasiatische Türbestickungen trägt.
Wir haben eine Kickstarter-Kampagne gestartet, um gezielt Funding für die Produktion der Punjab-Kollektion zu erhalten. Alles, was über Kickstarter einfließt, ermöglicht uns, mit Nindyaa überhaupt zu starten. Wir sind daher für jede Unterstützung dankbar! 

Die arbeitest Vollzeit bei Twitter und machst dieses Projekt als Sidepreneur. Wie kriegst du das beides unter einen Hut?

Es ist eine Herausforderung, alles unter einen Hut zu bekommen, aber eine Herausforderung, die ich gerne annehme! Ich habe über die vergangenen Jahre gelernt, effektiv und nachhaltig zu arbeiten, dabei helfen Methoden wie etwa die '80/20-Regel'. 
In meinem Vollzeitjob bei Twitter, und zuvor bei Facebook, berate ich verschiedenste Marken und Agenturen in ihrer digitalen Marketing-Strategie, was mir unheimlich viel Spaß macht. Ich liebe aber auch das Produktdesign und kreative Arbeiten - daher ist Nindyaa eine perfekte Ergänzung in meiner beruflichen Karriere. Für mich ist das Leben eine Universität, in der ich nicht aufhören möchte, neue Dinge zu lernen und mich weiterzuentwickeln. Das Entrepreneurship ist ein Schritt in diese Richtung. Ich habe im vergangenen Jahr unheimlich viel über Baumwollproduktion und die Textilwirtschaft gelernt - das ist großartig!
Bei Nindyaa schätze ich mich glücklich, meinen Mann als Business Partner an meiner Seite zu haben. Ich leite das Produktdesign und Marketing, wohingegen er sich um die Produktion kümmert und unsere Logistik aufbaut. Als Software-Entwickler baut er außerdem unsere E-Commerce-Webseite, mit der wir demnächst online gehen wollen. Wir haben außerdem großartige Freunde, die uns in den vergangenen Wochen und Monaten im Bereich Design, Presse, Videoschnitt und Controlling unterstützt haben.

Letzte Frage: Was bedeutet Nindyaa?

Nindyaa kommt aus dem Wort 'nindiya', das in Urdu ein Kosewort für 'Schlaf' ist, aber auch 'Schlafliedchen' bedeuten kann. Als wir nach einem Namen für unser Business suchten und auf Nindyaa stießen, war ich sofort verliebt!


Büsra Todil arbeitet im Vertrieb von Twitter. Nebenher hat sie zusammen mit ihrem Mann das Start-up Nindyaa gegründet. Ihre Kickstarter-Kampagne zur Finanzierung ihrer ersten Produktion findet sich hier.

 

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