"Wir müssen mit Männern über ihre Ängste sprechen"

Mitte Oktober findet in München die Karrieremesse "herCAREER" statt - mit einem großen Aufgebot an Rednerinnen und Rednern, Workshops und neuen Formaten. Und das, obwohl das Angebot an Frauen-Events auch anderswo wächst. Wir haben mit Natascha Hoffner, Gründerin von "herCAREER" gesprochen: Wie erklärt sie sich den Erfolg und was ist bei ihrer Messe anders als bei der Konkurrenz?
Hamburg/Nürnberg, den 21. September 2016 - SAAL ZWEI
Natascha Hoffner (Foto: © Sung-Hee Seewald)

Natascha, die Zahl der Female Networks und Frauen-Events steigt stetig. Wie habt ihr es geschafft, "herCAREER" dennoch innerhalb kurzer Zeit zu einer solch großen Messe auszubauen?

Natascha Hoffner: Die Erstveranstaltung von "herCAREER" haben mein Team und ich im vergangenen Jahr in nur einem halben Jahr auf die Beine gestellt. In diesem Jahr hat sich die "herCAREER" aussteller- und flächenseitig mehr als verdoppelt. Das war und ist harte Arbeit. Dahinter stecken mehrere hundert Telefonate, wir haben Netzwerke, Arbeitgeber, Weiterbildungsinstitute, aber auch Services rund um die Existenzgründung und eine bessere Vereinbarkeit für Familie, Pflege und Beruf aktiviert. Wir wollen mit der Messe alle Aspekte einer weiblichen und familiären Karriereplanung abdecken und Frauen dort abholen, wo sie gerade stehen, also beim Jobein- und -aufstieg, Wiedereinstieg oder bei der eigenen Gründung. Das ist sicherlich eines unser Alleinstellungsmerkmale.
Dazu gehört auch, dass wir Männer ganz bewusst in die Diskussionen einbinden. Wenn es um die Themen Vereinbarkeit oder mehr Frauen im Management geht, benötigen wir die Männer, die bereit sind, Frauen entsprechend nachzuziehen.

Mit welchem Ziel seid ihr angetreten?

Wir wollen etwas bewegen, Diskussionen anstoßen und mit Entscheiderinnen und Entscheidern über die Herausforderungen und Chancen sprechen, wie es in Wirtschaft und Gesellschaft gelingen kann, dass Chancengleichheit insbesondere im Job selbstverständlich wird. Dabei wollen wir Männer mit ins Boot zu nehmen und dafür sensibilisieren, sich für Frauen insbesondere im beruflichen Kontext einzusetzen. Man hört leider immer, dass Frauen bevorteilt und bevorzugt befördert und Männer dadurch kategorisch benachteiligt werden. Um dem entgegenzuwirken, werden wir zukünftig auch mit Männern über diese Ängste sprechen müssen. In jedem Fall wird es keine Lösung sein, den Status quo beizubehalten und abzuwarten, wenn unsere Wirtschaft nicht auf die Potentiale von Frauen verzichten möchte.
Natürlich wollen wir ganz klar Frauen mit Persönlichkeiten vernetzen, die sie in ihrer Karriereplanung unterstützen können und sie konkret von ihren Erfahrungen profitieren lassen. Meiner Meinung nach kommen Frauen schneller ans Ziel, wenn wir sie durch konkrete Hilfestellungen, unsere Erfahrungen und unsere Netzwerke bei ihrem Vorankommen unterstützen.

Ihr habt viele spannende Redner und Formate. Worauf seid ihr in diesem Jahr besonders stolz?


Wir haben bewusst Dinge auch mal etwas anders gemacht: die Job-Wall beispielsweise durch die Job-Offer-Talks ersetzt und bei den Karriere-Meet-ups Persönlichkeiten platziert, die in ganz kleiner Runde Karriere-Tipps geben. Darüber hinaus haben wir spannende Diskussionen im Programm, zum Beispiel spricht Ralf Kleindiek, Staatssekretär aus dem Bundesfamilienministerium, mit Robert Franken, dem ehemaligen CEO von Chefkoch, erklärter Feminist und heute erfolgreicher Berater für Equality. Aber auch zahlreiche weitere tolle Persönlichkeiten wie Philosophin und Bestsellerautorin Rebekka Reinhard, Valerie Bönström, Gründerin des Franchiseunternehmens Mrs.Sporty und US-Konsulin Jennifer Gavito, die bereits Aufgaben im US-Außen- und Finanzministerium innehatte, sind dabei.
Das Programm ist unglaublich vielseitig. Besonders wichtig ist uns, dass der Eintrittspreis erschwinglich ist. Damit soll den Besucherinnen möglich sein, spannende Persönlichkeiten kennenzulernen, um so das persönliche Netzwerk zu erweitern und konkrete Hilfestellungen zu erhalten.

Was braucht eine Frauen-Messe, um aus dem Gros der Veranstaltungen mit der Zielgruppe 'berufstätige Frau' herauszuragen?


Es gibt zwischenzeitlich tatsächlich ein recht umfangreiches Angebot an Veranstaltungen, die sich speziell an Frauen richten. Das ist per se erst einmal gut... zeigt es doch, dass es einen großen Bedarf an Räumen zum Austausch und Netzwerken für Frauen benötigt. Wir haben mit der "herCAREER" versucht, alle Aspekte einer weiblichen Karriereplanung unter Berücksichtigung der familiären Karriereplanung in eine Messe zu packen. Dabei war es uns von Anfang an wichtig, möglichst viel Raum auch für Diskussionen und Vorträge zu schaffen und vor allen Dingen für einen Austausch, um von erfahrenen Persönlichkeiten zu lernen. 

Du bist selbst Unternehmerin und Mutter. Dein persönlicher Tipp: Was rätst du Frauen, die beruflich ihren Weg gehen wollen?

Ich würde ihnen raten, ihren eigenen Weg zu gehen und diesen auch stringent zu verfolgen. Lassen Sie sich nicht unterkriegen bei Rückschlägen. Bleiben Sie sich selbst treu und authentisch. Wenn Sie das Gefühl haben, Sie stoßen an die besagte gläserne Decke – kommunizieren Sie das an ihren Vorgesetzten, wenn es sein muss auch ins Management. Sofern Ihre Stärken und Kompetenzen nicht gefordert werden - suchen Sie sich ein neues Wirkungsfeld, das Sie fordert und fördert. Suchen Sie sich Förderer, Unterstützer, vielleicht auch Mentoren. Und wenn Sie Hilfestellung benötigen… trauen Sie sich, andere außerhalb des gewohnten Netzwerkes anzusprechen - egal ob Frau oder Mann. Sie werden überrascht sein, wie viele Menschen bereit sind, ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit Ihnen zu teilen. Was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf betrifft – suchen Sie sich einen Partner, der sie unterstützt – fordern sie ggf. auch seine Unterstützung ein – vergessen sie dabei aber nicht, auch loszulassen.  

Die Messe "herCAREER" findet statt am 13. und 14. Oktober 2016 in München. SAAL ZWEI ist Medienpartner des Events. Am Freitag, den 14. Oktober, liest Stefanie Bilen dort aus ihrem neuen Buch "Mut zu Kindern und Karriere".

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