Birgit Bohle wird DB-Vorstand für Fernverkehr

Die Deutsche Bahn sorgt mit dem Umbau ihres Top-Managements weiter für Wirbel. Nachdem der Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla Ende Juli in den Vorstand berufen wurde, steht eine weitere Personalie an: Die Vertriebschefin Birgit Bohle soll künftig den Fernverkehr verantworten.
Hamburg, den 12. August 2015 - Von Stefanie Bilen

Der Umbau des Konzernvorstands der Deutschen Bahn geht weiter: Nach dem Abgang von Heike Hanagarth als einzige Frau im Vorstand soll die bisherige Vertriebsleiterin Birgit Bohle das Fernverkehrs-Ressort übernehmen, melden mehrere Medien übereinstimmend. Eine offizielle Bestätigung steht noch aus. Aus dem Umfeld Bohles ist zu hören, dass die Personalie erst Ende August kommentiert werden soll. Die Beförderung der 41-Jährigen werde von Bahn-CEO Rüdiger Grube vorangetrieben, heißt es, sei aber noch keine beschlossene Sache. Im Aufsichtsrat habe es Vorbehalte gegeben, schreibt die Welt, da Bohle bislang keinen Bahnbetrieb operativ geleitet hat.

Viel Anerkennung bekommt sie hingegen dafür, wie sie ihren Job als Vorsitzende der Geschäftsführung von DB Vertrieb macht. Den Fahrkartenverkauf umzustrukturieren und vom Bahnschalter auf das Online- und Mobile-Geschäft zu verlagern, sei ihr angesichts der Größe der Organisation gut gelungen, heißt es. Neben dem Ausbau des Digitalvertriebs ist die sog. integrierte Mobilität Bohles Ziel. Voriges Jahr hat die Top-Managerin beispielsweise Qixxit an den Start gebracht, ein DB-Portal, das Verkehrsverbindungen darstellt und alle erdenklichen Verkehrsmittel einbezieht, egal ob Auto, Bus, Zug oder Flugzeug. Ein Novum im DB-Konzern, der sich lange ausschließlich mit sich selbst beschäftigt hat und so etwa den Boom der Fernbusse verschlafen hat. "Natürlich benötigen solche Diskussionen Zeit", sagte Bohle vor einer Weile im SAAL ZWEI-Interview - angesprochen auf schwierige Aufgabe, intern Investitionen in ein Portal für Konkurrenz-Produkte durchzusetzen. "Aber wir sind uns einig darin, dass wir der führende Mobilitätsdienstleister sein wollen – daher ist die Idee getragen von der Strategie der DB."

Dass sie als Chefin der Vertriebssparte bislang einen undankbaren Job hatte, weil ihre rund 5.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer erste Ansprechpartner für genervte Kunden sind, die sich über verspätete Züge und defekte Klimaanlagen beschweren, sieht Bohle übrigens nicht so. Gefragt, wie man in dieser eher undankbaren Rolle überhaupt reüssieren kann, sagt sie im SAAL ZWEI-Interview: "Ich weiß gar nicht, ob es zutreffend ist, (dass es eine undankbare Aufgabe ist)... Ich sehe eher die spannende Herausforderung, für unsere Kunden den besten Service anzubieten und unsere Leistung stetig zu verbessern."

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Die Leistung stetig zu verbessern, wird auch als Vorstand für den Fernverkehr ihre Aufgabe sein. Die ICE-Flotte gilt zwar als Aushängeschild der Bahn, ist aber auch recht störungsanfällig. Es kommt Bohle, die im Vorstand auf Berthold Huber folgen soll, zugute, dass sie den Konzern schon lange kennt. Bevor sie 2007 als Bereichsleiterin für Geschäftsentwicklung und Vermarktung im Vertrieb begonnen hat, beriet sie die Deutsche Bahn als McKinsey-Consultant. Als DB-Managerin hat sie dann schnell erkannt, dass nicht nur gute Ideen und passende Strategien wichtig sind, sondern auch, die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Boot zu holen. "Geleistetes wertschätzen und neue Ziele setzen", lautet einer ihrer Führungsgrundsätze, aber auch "neue Impulse setzen und frischen Wind hereinbringen". Und so ist sie sich nicht zu schade, an besonders hektischen Tagen in einer Filiale mitzuarbeiten. Wie die Top-Managerin künftig frischen Wind ins Fernverkehrs-Ressort bringen will, ist nicht bekannt. Die verheiratete Mutter zweier Kinder befindet sich bis Ende dieser Woche im Urlaub.

Zum kompletten Interview mit Birgit Bohle gelangen Sie hier:  

"Die Deutsche Bahn ist schon lange innovativ"
Fast immer, wenn es um Probleme bei der Deutschen Bahn geht, ist ihr Bereich betroffen: Birgit Bohle leitet die DB-Vertriebstochter und ist damit oberste Kundenmanagerin für fünfeinhalb Mio. Fahrgäste. Egal, ob es stürmt oder die Klimaanlage in den Zügen ausfällt - Bohles Mitarbeiter müssen dann informieren, vermitteln, beschwichtigen. Auf die Idee, ihren Job als eine der undankbarsten Aufgaben zu bezeichnen, würde die Ex-McKinsey-Beraterin allerdings nie kommen...
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