Das Boot, die Firma: "Es ist egal, von wo aus wir arbeiten"

Vor knapp acht Jahren hat Maren Wagener ihre Firma Vast Forward gegründet - einen Agentur-Dienstleister in der Digitalproduktion. Voriges Jahr knackten sie und ihr Team die Millionen-Marke beim Umsatz. Dabei geht die 37-Jährige schon lange nicht mehr in ihr Büro in Hamburg. Zusammen mit ihrem Mann lebt und arbeitet sie auf einem Segelboot im Mittelmeer. Und belegt vorbildlich, dass Präsenzpflicht am Arbeitsplatz selten erforderlich ist.
Barcelona/Hamburg, den 15. Juni 2016 - Von Stefanie Bilen

SAAL ZWEI: Maren, du und dein Mann lebt und arbeitet auf einem Segelschiff. Wie geht das?

Maren Wagener: Sehr gut…! Wir waren gerade auf einem Ankerplatz im Norden von Mallorca und segeln gerade weiter nach Barcelona. Wir können von hier aus genauso arbeiten wie in unserem Büro in Hamburg. Telefon- und Internetverbindung sind hervorragend, die meisten Kunden merken überhaupt nicht, dass wir mit einem Schiff unterwegs sind. Falls es notwendig ist, fliegen wir zu persönlichen Treffen nach Deutschland – aber eigentlich erfordert unser Geschäft das nicht.

Du bist Gründerin und Geschäftsführerin von Vast Forward, einer Agentur für Agenturen. Was macht ihr genau?

Wir haben ein Netzwerk von mehr als 100 Programmierern und bieten Werbe-, Media- oder Digitalagenturen unsere Dienste an. Dabei geht es nicht um die reine Vermittlung von freiberuflichen Programmierern, sondern wir verbinden es mit der Projektsteuerung, die unsere Projektmanagerinnen übernehmen. Wir bieten auch Website-Programmierung an, aber das klassische Geschäft sind Banner- und Social Media-Kampagnen. Agenturen buchen uns in Spitzenzeiten, wenn ihre eigenen Programmierer ausgelastet sind. Oder sie beschäftigen selbst gar keine eigenen Fachkräfte, dann kommen wir auch ins Spiel. Ich selbst arbeite im Projektmanagement mit und führe das Unternehmen. Mein Mann Matthias hat ebenfalls viele Jahre Agenturerfahrung, er verantwortet umfangreiche Projekte und ist als Consultant tätig.

Wie haben Kunden und Mitarbeiter reagiert, als Ihr im März 2015 auf euer Segelboot gezogen seid?

Für die Kunden hat sich nicht so viel geändert. Unser Geschäft bringt es mit sich, dass wir meistens schriftlich kommunizieren oder ab und an telefonieren. Zudem besteht unser Büro in Hamburg nach wie vor, von dort aus arbeiten einige unserer Projektmanagerinnen. Mit ihnen haben wir nach wie vor telefonische Jour fixe – da ist es egal, wo wir sitzen.
Unsere Programmierer sind als Freelancer schon immer in eigenen Büros oder zu Hause tätig. 30 bis 40 von ihnen könnten wir fest anstellen, aber sie wollen es gar nicht. Ein Großteil von ihnen lebt in Ostdeutschland, jetzt sind wir dabei, auch international Freelancer und Kunden zu akquirieren. Die ersten Erfolge haben sich bereits eingestellt und wir fühlen uns in der Entscheidung, auf dem Schiff zu leben, bestätigt. Zum Ende des Jahres geben wir unsere Wohnung in Hamburg auf.

Habt Ihr einen Plan, wie lange Ihr so leben wollt?

Nein, es gibt kein Enddatum. Wir sind jetzt seit einem guten Jahr unterwegs, bis Ende dieses Jahres schaffen wir es voraussichtlich bis Sizilien, danach folgen Kroatien, Griechenland und die Türkei. Da wir ganz normal von montags bis freitags arbeiten, kommen wir nicht so schnell voran, aber das macht nichts. Wir genießen es, dass wir morgens vor der Arbeit ins Meer springen und am Wochenende das schöne Wetter genießen können.
Mittelfristig ist die Überquerung des Atlantiks vorgesehen, dann werden wir uns voraussichtlich aus der operativen Arbeit zurückziehen, weil es aufgrund der Zeitverschiebung schwieriger wird. Wir konzentrieren uns dann auf die Akquise und den Ausbau unserer Workshops für Agenturen: Wir wollen zeigen, wie das ortsunabhängige Arbeiten funktionieren kann und möglichst viele Menschen dazu ermuntern.

Wie seid Ihr überhaupt auf die Idee gekommen, aufs Schiff umzuziehen?

Mein Mann ist als Norddeutscher leidenschaftlicher Segler, ich bin dabei, seit ich vor zehn Jahren von Leipzig nach Hamburg zog. Anfangs segelten wir auf der Alster, später auf der Ostsee und verbrachten damals schon die Sommermonate auf dem Schiff. Dabei merkten wir, dass uns das Arbeiten und das Leben auf dem Schiff sehr gut gefallen – wir harmonieren gut als Zweier-Team auch auf engem Raum.

Gibt es etwas, was Ihr vermisst?

Eigentlich nicht. Wir bekommen regelmäßig Besuch von unserer Familie und den Freunden – oder wir fliegen nach Hause. So lange wir uns in Europa aufhalten und die Wege kurz sind, können wir schnell mal in den Flieger steigen, um bei Hochzeiten und runden Geburtstagen dabei zu sein. Im Winter waren wir sogar zum Skifahren im „Urlaub“. Wir fühlen uns sehr wohl in unserer Situation.
Dass wir jetzt sogar noch die Firma ausbauen können, macht die Situation perfekt! Im vorigen Jahr haben wir den Umsatz kräftig gesteigert und die Millionen Euro-Marke geknackt. Mit neuen internationalen Kunden darf es gerne so weitergehen.

Maren Wagener ist Gründerin und Geschäftsführerin von Vast Forward, einer Firma, die Agenturen in der Digitalproduktion unterstützt. Nur vier der gut 100 Mitarbeiter sind fest angestellt, jeder kann seinen Arbeitsort frei wählen.

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