"Die Schauspielerin Jessica Alba hat uns inspiriert"

Wie kommen zwei junge kinderlose Männer dazu, eine Windelfirma zu gründen? Und dabei noch namhafte Investoren an Bord zu holen? Gerald Kullack und Sven Bauer haben lange bei Procter & Gamble gearbeitet, bevor sie Lillydoo gründeten. Ihr Alleinstellungsmerkmal: Ihre Windeln sind besonders hautfreundlich, sie kommen ganz ohne verspielte Kindermotive aus und sie sind ausschließlich online erhältlich. SAAL ZWEI-Interview über die Freuden des Windelwechselns, den Vorteil, eine eigene Hebamme im Haus zu haben, und ihr prominentes Vorbild aus den USA.
Frankfurt/Hamburg, den 14. September 2016 - Von Stefanie Bilen
Gerald Kullack (l.), Sven Bauer (Foto: Max Threlfall)

SAAL ZWEI: Gerald, wie kommen zwei kinderlose Männer auf die Idee, eine Windelfirma zu gründen? 

Gerald Kullack: Vor Lillydoo haben wir bei Procter & Gamble gearbeitet und erkannt, dass sich der Windelmarkt in den vergangenen Jahren kaum verändert hat. Eltern kaufen ihre Windeln hauptsächlich in der Drogerie und die Produkte sehen seit langem unverändert aus: mit kleinen Tierchen oder ähnlichen Motiven verziert.
Das wollten wir ändern. Inspiriert von 'The Honest Company', die Babypflegemarke der Schauspielerin Jessica Alba, wollten wir in Deutschland etwas ähnliches schaffen: eine Windelmarke, die Hautfreundlichkeit in den Mittelpunkt stellt und mit zeitgemäßen Designs arbeitet sowie erhältlich ist.

Da ich selbst jahrelang Käuferin von Windeln war: Ich habe sie nie als ‚High Involvement‘-Produkte empfunden, solange sie ihren Zweck erfüllten. Wo seht Ihr eure Marktlücke?

Natürlich ist eine Windel in erster Linie ein Funktionsprodukt – die Saugleistung muss perfekt sein. Dann gibt es aber zunehmend Eltern, die keine grinsenden Schildkröten oder Giraffen mehr auf den Windeln wollen. Wir versuchen, unsere Produkte ähnlich emotional aufzuladen wie etwa Beauty-Produkte es bei der Zielgruppe 'junge Frauen' machen. Man wickelt sein Kind etwa sieben Mal am Tag und damit 180 Mal im Monat. Bei sechs bis sieben Kilo Windeln im Monat freut man sich, wenn man Windeln nicht mehr schleppen muss. Daher finden wir es zeitgemäß, Windeln online zu verkaufen. Auch hier gibt es eine Lücke.

Windeln von Lillydoo


Allerdings ist mit Windeln.de bereits ein nennenswerter Anbieter aktiv…

Wir sind eine Premiummarke sein, windeln.de ist hingegen ein Händler. Aktuell bieten wir Windeln – auch im Abo – sowie Feuchttücher an. Es ist allerdings vorstellbar, dass wir unser Angebot in andere Bereiche des Babybedarfs hinein ausweiten.

Ihr seid zwar Marketing-Experten, aber keine Baby-Kenner. Wie stellt Ihr sicher, dass Ihr die Bedürfnisse eurer Kunden kennt?

Meine Mutter ist Hebamme. Durch ihre jahrzehntelange Erfahrung hat sie uns bei der Markteinführung sehr unterstützen können. Inzwischen arbeiten wir fest mit der Hebamme Sissi Rasche zusammen, die uns als Sparringspartnerin zur Seite steht. Sie lässt ihre Erfahrungen einfließen, hinterfragt Dinge, die wir tun, und gibt uns immer wieder wichtige Impulse. Uns ist es wichtig, dass sie uns bei der Produktentwicklung oder etwa der Zielgruppenansprache unterstützt. Hebammen sollen aber kein Kanal bei unseren Vertriebsaktivitäten sein.

Kommst du auch gelegentlich selbst mit der Zielgruppe in Berührung?

Wann immer sich die Gelegenheit ergibt, wickele ich Babies, um die Erfahrung selbst zu machen. Mein bester Freund ist beispielsweise zum zweiten Mal Vater geworden. Da lege ich gerne selbst Hand an, sofern es möglich und angebracht ist. 

Die Produktion von Windeln erfordert eine gewisse finanzielle Ausstattung. Wie seid ihr finanziert?

Wir haben eine Reihe von Business Angels in Berlin, die uns mit Know-how und Kontakten unterstützen, die aber auch in unser Unternehmen investiert haben. Dazu gehören beispielsweise Florian Heinemann, einer der Projekt A-Gründer, oder Björn Kolbmüller, Gründer von Flaconi. Dieses Netzwerk ist ein großer Vorteil für uns, wir sind optimal aufgestellt. Aber wie bei allen Start-ups heißt es auch bei uns, dass nach der Finanzierungsrunde vor der Finanzierungsrunde ist.

Eure Investoren sitzen in Berlin, Ihr in Frankfurt. Wie lebt es sich als Start-up am Main?

Die Gründerszene ist hier zugegebenermaßen klein. Wenn es Start-ups gibt, sind die am ehesten im Fintech-Bereich angesiedelt. Aber es gibt Züge oder andere Verkehrswege nach Berlin. Wir fühlen uns hier wohl.

Gerald Kullack ist zusammen mit Sven Bauer Geschäftsführer von Lillydoo GmbH. Sie haben das Unternehmen 2015 gegründet, ihr Shop ist seit Dezember 2015 online. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen zehn Mitarbeiter.


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