"Nach oben schafft es nur der Rahm oder der Abschaum"

Normalerweise kommen Profiler zum Einsatz, um einen Mord aufzuklären. Suzanne Grieger-Langer wird hingegen von Unternehmen beauftragt, um Verhandlungspartner und Top-Bewerber unter die Lupe zu nehmen. Haben sie es mit Pfeifen, Psychopathen oder Performern zu tun? Die Chefin der Grieger-Langer-Gruppe beschäftigt weltweit 150 Mitarbeiter und ist zudem als Lehrbeauftragte tätig. Unsere Autorin Simone Fasse hat "das Orakel im Recruitment", wie die Medien sie nennen, zum Interview getroffen, um mehr über die Arbeit der Transaktionsanalytikerin zu erfahren.
Frankfurt/Hamburg, den 29. Juni 2016 - Von Simone Fasse

SAAL ZWEI: Frau Grieger-Langer, was genau machen Sie als Profiler?

Suzanne Grieger-Langer: Als Character-Profiler bin ich Expertin für Menschen und Muster. Mit meinem Team berechne ich Charakterprofile von Top-Bewerbern und Verhandlungspartnern. Wir betreiben Eignungsdiagnostik und leiten Charaktereigenschaften anhand des psychogenetischen Codes ab. Darüber hinaus bin ich auch Comportment Profiler, das heißt, ich analysiere, was die Menschen aus ihren Anlagen machen, und wo Unternehmen daraus Betrug, Blendertum oder sogar organisierte Kriminalität droht.

Woher nehmen Sie Ihre Informationen?

Das ist heute leichter denn je. Was früher drei bis vier Tage gedauert hat, finden wir heute manchmal innerhalb von wenigen Minuten oder Stunden – über Lebensläufe, über Daten und Fotos im Internet, aber auch über andere Wege. Wir fügen die gesammelten Informationen nur richtig zusammen.

Wie helfen Sie Ihren Klienten konkret?

Wir finden unter anderem heraus, ob es sich bei den Zielpersonen um Pfeifen, Psychopathen oder Performer handelt. So stellen Unternehmen keine gefährlichen Mitarbeiter oder Blender ein, sondern echte Leistungsträger. Bei schwierigen Verhandlungspartnern können wir einen Bauplan der Psyche der anderen Seite entwickeln. Unsere Erkenntnisse setzen wir dann so für unsere Klienten ein, dass sie im richtigen Moment die richtige Karte im Gespräch ziehen können. Das kann existenziell sein – Verhandlungen werden häufig nicht ernst genug genommen, dabei sind sie eine Überlebenstechnik. In unserer Profiler's Academy können Interessierte dazu mehr erfahren.

(Fotos: Martin Kroll Photography; Christopher Link, Visual Design)

Sie befinden sich auf einem "Kreuzzug gegen Pfeifen und Psychopathen". Warum ist Ihnen das Thema so wichtig?

Kennen sie das Sprichwort 'Nach oben schafft es nur der Rahm oder der Abschaum'? Ich will nicht, dass der Abschaum Schaden anrichtet. Miese Menschen sind ruinös. Psychopathen sind gefährlich und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Sie haben keinerlei Emotionen und sind schon mit einem 'Herstellerschaden' auf die Welt gekommen. Nur ein Prozent der Menschen sind Psychopathen, sie verursachen aber 99 Prozent der Schäden. Im Top-Management kumulieren sie sich sogar zu 14,5 Prozent. Pfeifen sind zwar nicht so gefährlich, stehen dem Unternehmenserfolg aber ebenfalls im Weg. Sie sehen sich selbst 'kurz vor Kanzler', bringen aber selbst keine PS auf die Straße. Pfeifen hassen Kritik, haben keine eigenen Entwürfe und sind Entscheidungsvermeider. Sie schieben Fehler subtil auf andere und übernehmen selbst keine Verantwortung. Pfeifen befinden sich noch immer in einer 'psychischen Fruchtblase' und sind nicht bereit, sich daraus zu befreien – Wachstum ist ja anstrengend.

Was zeichnet Performer aus?

Performer bringen nicht nur Leistung und übernehmen Verantwortung, sie gehen ihren Job und ihr Leben auch mit einer gesunden Leichtigkeit an. Sie bringen Unternehmen mit ihren Ideen weiter und sind aus eigenem Antrieb innovativ. Unternehmen sollten daher nicht zulassen, dass Performer durch Pfeifen und Psychopathen am Aufstieg und am persönlichen Wachstum gehindert werden.

Wie geht man am besten mit Psychopathen und Pfeifen um?

Von Psychopathen sollte man sich so schnell wie möglich trennen. Mit ihnen zu kämpfen, lohnt sich nicht – sie zu verwirren schon eher. Sie wollen Macht. Dafür ist ihnen (fast) jedes Mittel recht, sie sind skrupellos.
Pfeifen sollten auf keinen Fall motiviert werden. Sie hören nur, was sie hören wollen und nehmen hübsch verpackte Kritik gar nicht auf. Um Ergebnisse zu bringen, brauchen Pfeifen eine enge Führung und klare Ansagen.

Und wie fördert man Performer am besten?

Performer brauchen vor allem Freiheit, sich zu entfalten. Ausgestattet mit den nötigen Ressourcen sind Performer quasi Selbstläufer.

Sie beobachten und analysieren Personen und Persönlichkeiten. Welche Fehler begehen Frauen in Ihren Augen in ihrer Karriere?

Frauen begehen fünf kriminelle Fehler:
1. Frauen versuchen, ihr Team zu erziehen.
2. Frauen reagieren häufig zu emotional, ihnen fehlt es an Sachlichkeit und Nüchternheit.
3. Frauen arbeiten zu viel für die Ziele der anderen, zu wenig für die eigenen.
4. Frauen fragen nicht nach dem, was sie haben wollen.
5. Frauen jagen nicht im Rudel.


Suzanne Grieger-Langer gilt als Vorreiterin beim Einsatz von Profiling in Unternehmen. Für die Frankfurt School of Finance and Management hat sie den Studiengang 'Certified Profiler' entwickelt. Mehr Informationen über Suzanne Grieger-Langer finden sich hier
Wir haben die Profilerin am Rande des Innovation Summit von der Women Speaker Foundation und der Deutschen Bahn Anfang Juni interviewt. SAAL ZWEI war Medienpartner des Events.


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