"Fünf Dinge, für die wir dankbar sind"

Berufstätige Mütter haben ein Imageproblem: Entweder gelten sie als wenig belastbar und am Ende ihrer Karriere, weil jetzt die Familie im Vordergrund stehe. Oder sie werden als Rabenmütter beschimpft, weil sie angeblich ihren Job über die Familie stellen. Dass das Nonsens ist, bestätigen diese fünf Managerinnen und Kreative: Sie haben uns ihre persönlichen Familien-Highlights verraten.
Hamburg, den 14. September 2016 - Von Stefanie Bilen

"Fünf Jahre dauert es, bis Patchworkfamilien zusammenwachsen"

Anneke Mohn

"Mein schönster Familienmoment der letzten Zeit war der, als meine zwölfjährige Tochter, nachdem sie sich wegen etwas nicht allzu Schlimmem von mir hatte trösten zu lassen, zu meinem frisch gebackenen Ehemann gegangen ist und der sie in den Arm nahm. Das klingt vielleicht komisch, aber es hat mir gezeigt, wie lieb sich die beiden, die zunächst nur durch mich verbunden waren, inzwischen gewonnen haben, und daran lag mir so sehr.
Fünf Jahre soll es durchschnittlich dauern, bis Patchworkfamilien zusammenwachsen, bis der Umgang miteinander annähernd so leicht und selbstverständlich wird wie in 'normalen' Familien. Wer eine Patchworkfamilie hat, hat ja schon eine Geschichte hinter sich, und es ist eine ohne Happy End - umso glücklicher machen mich solche innigen Momente oder unser fröhliches Zu-Dritt-Sein beim Bootfahren, Burger essen oder beim exzessiven Carcassonne spielen."

Anneke Mohn, Buchautorin ("Unter einem Dach")

"Jeden Abend beten wir ein Gebet der Dankbarkeit"

Dayan Kodua

"Ich versuche, meinen Kindern viel über Dankbarkeit beizubringen. Denn wer dankbar sein kann, kann auch glücklich sein. Meine Kinder sollen daher lernen, wie wichtig es ist, auch die kleinsten Dinge wertzuschätzen; auch damit sie wissen, dass nicht alles selbstverständlich ist. Als Ritual bete ich jeden Abend mit meinen Kindern Spencer, 6, und Sydney-Miles, 2, ein Gebet der Dankbarkeit. Und bevor mein großer Sohn Spencer einschläft, berichtet er von fünf Dingen, für die er dem Tag dankbar ist.
Als Kind haben mir meine Eltern viel über Respekt und Wertschätzung beigebracht. Wichtig für meine Mutter war und ist es immer noch, zu geben, wenn andere in Not sind. Es ist hier nicht nur das finanzielle Geben gemeint, sondern auch das Geben von Zeit, Aufmerksamkeit und Gehör."

Dayan Kodua, Schauspielerin, Herausgeberin "My black Skin"

"Das gemeinsame Frühstück mit meinem Ältesten vermisse ich jetzt schon"

Ana-Cristina Grohnert

SAAL ZWEI: Frau Grohnert, was sind Ihre schönsten Momente mit Ihren Kindern?

Ana-Cristina Grohnert: Am schönsten ist es, wenn ich am Wochenende morgens mit den Kindern gemütlich beim Frühstück sitzen kann, und wir uns gemeinsam ausdenken, was wir mit dem Tag anstellen könnten. Mein Ältester geht bald studieren und ich vermisse diese gemeinsame Zeit jetzt schon!

Wenn Sie an Ihre eigene Kindheit zurückdenken – welche besonderen Momente gab es da?

Ich habe einen Teil meiner Kindheit in Portugal verbracht, meine Eltern waren beruflich dort. Wenn Freunde mit Kindern kamen, war das immer unglaublich aufregend, weil es dann so ein bunter Haufen war. Jeder und jede Einzelne war interessant. Ich habe meine Kindheit insgesamt sehr genossen und als ein einziges großes Abenteuer in Erinnerung. Dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar.

Welches Element Ihrer Erziehung hat Sie am meisten geprägt?

Ich denke, die Offenheit, die meine Eltern vorgelebt haben. In jedem Menschen ein Individuum zu sehen, das Bedürfnisse hat. Und Vorurteile beiseite zu schieben, die man ja oft irgendwoher hat. Das hat mich beeindruckt und geprägt, und es hat mir im Leben schon oft geholfen, weil man mit Menschen anders umgehen kann.

Ana-Cristina Grohnert, Managing Partner HR DACH, Ernst & Young


"Der Moment, als Tilda große Schwester wurde"

Franziska von Lewinski

"Die Geburt unserer zweiten Tochter Freda ist nun knapp anderthalb Jahre her. Der schönste Moment war, als unsere große Tochter Tilda die kleine Freda kennenlernte. Der Moment, als sie große Schwester wurde, und beide sich in den Armen hielten. Es ist immer wieder ein Wunder, wenn ein kleiner Mensch das Licht der Welt erblickt. Aber für Tilda war es kaum zu glauben, als die kleine Schwester endlich da und der dicke Bauch verschwunden war."

Franziska von Lewinski*, Digitalvorstand, Fischer-Appelt

"Ein Gespräch bei Kakao und Plundern kann vieles auffangen"

Silke Richter-Derix

"Schwimmen, Leichtathletik und Reiten - ich treibe sehr gerne Sport mit meinen zwei Kindern. Mit meiner Tochter nehme ich ab und zu an verschiedenen Wettkämpfen teil. Mein Sohn spielt außerdem Tennis. Im Sommer gehen wir alle drei abends zusammen raus, laufen, spazieren oder schwimmen. Manchmal kommen ihre Freunde mit. (...) Außerdem reite ich mit meiner Tochter aus. Nach all diesen Ausflügen suchen wir jedoch bewusst die Zeit für eine ruhige Runde am Tisch mit Kakao und Plundern. Dies sind Momente, die im Verhältnis zum täglichen Wegsein der Mutter von den Kindern wesentlich kürzer, aber essentiell sind. Und somit auch vieles wieder auffangen."

Silke Richter-Derix*, Managerin im Börsenumfeld, Mutter einer 15- und eines 12-Jährigen

* Franziska von Lewinski und Silke Richter-Derix sind Protagonistinnen des Buches "Mut zu Kindern und Karriere", das Anfang Oktober erscheint. Darin berichten 40 berufstätige Mütter, wie sie Familie und Beruf vereinbaren und trotz mancher Anstrengung ein erfülltes Leben führen.


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