"Ich fühlte mich endlich wieder wohl in meiner Haut"

Einen Investor haben sie in der gestrigen 'Höhle der Löwen'-Sendung nicht gefunden, trotzdem halten die Mareike Awe und Marc Reinbach an ihrer Idee fest: Sie wollen den Diätmarkt revolutionieren. Nicht aber mit einer weiteren Diät, sondern mit einem Online-Training, das die Teilnehmer zurück ans intuitive Essen heranführt. Denn die Medizinstudenten wissen: 90 Prozent aller Diäten funktionieren nicht - und jede zweite Frau fühlt sich unwohl mit ihrem Gewicht. Weil Mareike Awe selbst zehn Kilo abgenommen hat, indem sie auf ihr Hunger- und Sättigungsgefühl gehört hat, gibt sie ihre Erfahrung jetzt an andere weiter. SAAL ZWEI-Interview über ihren TV-Auftritt, den Glücksbringer Schokolade und die ganz eigene Welt der Mediziner.
Düsseldorf/Hamburg, den 21. September 2016 - Von Stefanie Bilen
Zwei Mediziner mit Vision: Mareike Awe und Marc Reinbach

SAAL ZWEI: Mareike, zwei Mediziner, die sich gegen eine Klinik-Laufbahn entscheiden und stattdessen ein Start-up gründen – das gibt es nicht häufig. Was hat dich und dein Partner zum Gründen bewogen?  

Mareike Awe: Es war im Studium, dass ich meiner eigenen Ernährung wieder mehr Aufmerksamkeit widmete. Ich achtete stärker auf meinen Körper und aß nur noch das, was ich brauchte und was mir gut tat. Das Wissen zu diesem Thema eignete ich mir aus Studien und Fachbüchern an. Dank dieses intuitiven Essens nahm ich zehn Kilo ab, genoss ein befreites Essverhalten und fühlte mich endlich wieder wohl in meiner Haut.
Viele Menschen in meinem Umfeld zeigten Interesse daran und ich begann, diese Methode anderen beizubringen. Da meine 'Schüler' begeistert waren und erfolgreich abnahmen, beschlossen ich und mein Freund, der ebenfalls Medizin studiert, ein Programm daraus zu machen. Herausgekommen ist ein 12-wöchiges Online-Training, bei dem die Teilnehmer unter anderem Video- und Audio-Input bekommen. Dazu gehört unter anderem Mentaltraining, denn es geht hauptsächlich darum, eigene Gewohnheiten zu durchbrechen und neue, angenehme Gewohnheiten aufzubauen. Zudem wird man durch Telefoncoachings und Mailsupport nach Wunsch individuell begleitet.
Die Universität, an der wir studieren, zeichnete uns beim Ideenwettbewerb für unseren Ansatz aus.

Allerdings gibt es ja schon unendlich viele Online-Diäten, -Fitnesskurse und –Selbstoptimierungsangebote. Wie wollt Ihr euch von ihnen abheben?

Intueat ist keine Diät – das ist uns ganz wichtig. Denn 90 Prozent aller Diäten funktionieren nicht. Dennoch fühlt sich jede zweite Frau in Deutschland unwohl mit ihrem Gewicht und ihrem Essverhalten. Da setzen wir an: Wir sensibilisieren unsere Teilnehmerinnen dafür – die meisten sind tatsächlich weiblich –, auf ihr Hunger- und das Sättigungsgefühl zu achten. Wer auf seinen Körper hört, braucht keine Diäten. Dann darf er sogar Schokolade oder andere Kalorienbomben ohne schlechtes Gewissen genießen.

Wie viele Teilnehmer haben euer Programm bereits durchlaufen?

400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – und 90 Prozent von ihnen waren zufrieden. Auf diese Zahl sind wir unglaublich stolz. Wir haben unser Erspartes in das Unternehmen gesteckt, inzwischen beschäftigen wir drei Support-Mitarbeiterinnen. Glücklicherweise konnten wir bereits mit den ersten 25 Teilnehmern unsere Gründung finanzieren.

Leben und arbeiten zusammen: die Intumind-Gründer

Jetzt wollt Ihr die nächste Stufe erklimmen und deutlich schneller wachsen.

Genau! Wir haben uns beide ein Semester frei genommen– um uns nun, nach unserer fertig geschriebenen Doktorarbeit, voll und ganz auf Intueat und unsere Firma Intumind zu konzentrieren. Unser Ziel ist es, den Diätmarkt zu revolutionieren und die führende Marke für gesunde Ernährung zu werden.

Ihr wart gestern in der Pitch-Sendung 'Höhle des Löwen', konntet aber keinen Investor für euch gewinnen.

Das stimmt. Carsten Maschmeyer hatte echtes Interesse signalisiert, allerdings ist er bereits in ein Start-up in einem ähnlichen Bereich investiert, deswegen hätte es einen Interessenskonflikt gegeben. Auch Jochen Schweitzer glaubte an uns und die Idee, wollte aber 33,3 Prozent unserer Anteile – dann also genauso viel wie ich und mein Partner. Das war uns zu viel.

Seid Ihr enttäuscht?

Nein, es war trotzdem eine großartige Erfahrung. Außerdem hilft die Sendung uns, unsere Marke bekannt zu machen. Wir haben eigens für die Sendung attraktive Angebote auf unsere Seite gestellt. Und wir haben alle Vorkehrungen getroffen, damit www.intueat.de auf einen Ansturm nach der Sendung gerüstet ist – und nicht zusammenbricht, wie es bei so vielen anderen Start-ups nach 'Höhle der Löwen' der Fall ist.

Und wie begleiten eure ehemaligen Kommilitonen euer Gründerdasein?

Eigentlich gar nicht. Die finden es nicht so interessant, weil sie zu viel um die Ohren haben. Im Medizinstudium lebt man in seinem eigenen kleinen Mikrokosmos. Man wird dazu erzogen, viel zu lernen und zu arbeiten, aber nicht so viel zu hinterfragen; das muss ich ganz selbstkritisch zugeben. Ich bin sehr froh, dass uns dieser Schritt raus aus dem Studium gelungen ist. Ich werde die Ausbildung auf jeden Fall abschließen – das musste ich alleine meinem Großvater hoch und heilig versprechen… – aber durch Intueat habe ich so viel über meinen bisherigen Horizont hinaus gesehen und erlebt, das will ich auf keinen Fall missen. Ich würde schon sagen, dass ich durch unser Start-up zu einer anderen Persönlichkeit geworden bin.

Mareike Awe und Marc Reinbach haben Intueat und die dahinter stehende Firma Intumind im August 2015 gegründet und mit Erspartem finanziert. Bei der Pitch-Sendung "Die Höhle der Löwen" wollten sie Investoren für sich gewinnen - ohne Erfolg. 

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