"Ich habe mich über die Wertschätzung gefreut"

Elke Eller hat viele Arbeitgeber kennengelernt: Stiftungen, Gewerkschaften, ein Forschungsinstitut. Schließlich landete die VWLerin beim Autokonzern VW. Erst im Aufsichtsrat, dann im Vorstand einer Tochtergesellschaft. Ende 40 promovierte sie, kürzlich ist sie Präsidentin des Bundesverbands der Personalmanager geworden. Im Oktober steht erneut ein Wechsel an: Elke Eller wird Personalvorstand der Tui Gruppe. Wir wollten von der umtriebigen Managerin wissen: Fühlt es sich gut an, wenn der einflussreiche VW-Betriebsratschef öffentlich über ihr Ausscheiden schimpft? Interview über fehlende Rollenbilder und den Alltag einer berufstätigen Mutter...
Elke Eller - wechselt als Personalvorstand von VW Nutzfahrzeuge zur TUI Gruppe
Hamburg/Wolfsburg, den 09. September 2015 - Von Stefanie Bilen

SAAL ZWEI: Frau Eller, der VW-Betriebsratsvorsitzende hat es mehrfach öffentlich beklagt, dass Sie - wie andere Top-Managerinnen vor Ihnen - VW verlassen. Freut Sie das?

Elke Eller: Ich habe mich über die Wertschätzung gefreut, die mir Bernd Osterloh damit entgegengebracht hat. Wir haben jahrelang sehr gut zusammenarbeitet.

Sie verlassen Volkswagen, um Ihren Personalvorstands-Posten bei VW Nutzfahrzeuge gegen dasselbe Amt Mitte Oktober bei der Tui Gruppe einzutauschen. Warum? 

Mich reizt die Herausforderung, die Personalarbeit nach dem Merger von Tui und Tui Travel fortzuentwickeln und eine gemeinsame Unternehmenskultur zu etablieren. Nachdem ich mich nun mehrere Jahre in im Automobilsektor bewegt habe, freue ich mich auch darauf, eine neue Branche kennen zu lernen.

Freuen Sie sich darauf, ein weniger männlich geprägtes Umfeld in der Touristikbranche vorzufinden?

Für mich zählt nicht das Geschlecht, sondern die Professionalität und der Teamgeist meiner Kollegen und Mitarbeiter. Nichtsdestotrotz ist es mein Anliegen, Frauen zu unterstützen. Mir haben in meiner Karriere Rollenbilder gefehlt. Ich hatte stets männliche Vorgänger, so dass ich nie 1:1 in deren Fußstapfen treten konnte, sondern immer meinen ganz eigenen Führungsstil brauchte. Es gab zu wenige Frauen, an denen man bzw. 'Frau' sich orientieren konnte.

Sie haben 2012 promoviert, lange nach Ihrem Studienabschluss. Davor waren Sie bereits Vorstand der VW Financial Services AG. Warum haben Sie die Zeit in den Titel investiert?

Ich hatte den Wunsch, mich noch einmal eingehender mit den Themen Arbeitszufriedenheit, Motivation und Leistung zu beschäftigten, was im normalen Tagesgeschäft nicht möglich ist. Aus der wissenschaftlichen Auseinandersetzung konnte ich dann wiederum viele Impulse für die Praxis mitnehmen.

Seit diesem Sommer sind Sie Präsidentin des Bundesverbands der Personalmanager. Was wollen Sie erreichen?

Ich möchte, dass die Stimme der Personaler in der Öffentlichkeit noch mehr gehört wird. Personalmanager leisten mit ihrer Arbeit einen entscheidenden Wertbeitrag für die Unternehmen – darüber dürfen wir ruhig auch reden. Zudem möchte ich auch neue Themen angehen. Die Digitalisierung der Arbeitswelt treibt mich dabei besonders um. Ich werde deshalb einen Schwerpunkt auf das Thema "Personalmanagement 4.0" setzen.

Sie sind Mutter von zwei Kindern. Haben Sie einen Tipps für berufstätigen Eltern: Wie lassen sich Spitzenjob und Familie vereinbaren?

Man muss sich extrem gut organisieren. Ich habe immer Wert darauf gelegt, dass der Familienalltag nicht zu kurz kommt und dafür lieber eine Extraschicht in der Frühe oder am späten Abend eingelegt. Mütter und Väter mit kleinen Kindern wünschen heute vermehrt Zeitflexibilität. In den Unternehmen werden wir mehr über Ergebnis- statt Präsenzkultur nachdenken müssen.

Dr. Elke Eller, 52, wird im Oktober 2015 Personalvorstand der TUI Gruppe. Zuletzt war sie in derselben Funktion bei VW Nutzfahrzeuge tätig. Sie ist seit 2007 für VW tätig, von 2009 bis 2012 hat sie promoviert. Eller, seit vergangenem Juni Präsidentin des BPM, ist verheiratet mit VW-Vorstand Horst Neumann und Mutter von zwei Kindern.


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