"Suche Job, der die Welt verändert"

Jobs mit Sinn: Kaum einen Wunsch hören Personal-Manager und Unternehmer häufiger, wenn sie mit jungen Talenten sprechen. Wir stellen Jobportale und Employer Branding-Plattformen wie Proboneo, The Changer und Talents4Good vor, die nichts anderes zum Ziel haben: Talente und Do Good-Arbeitgeber zusammenzubringen - alle auf unterschiedliche Art und Weise. Und unsere Gastautorin Christina Kufer, selbst Gen Y-Vertreterin, berichtet von '50 Wege zum Job', einer Initiative ihrer Kommilitonen.
Hamburg, den 03. Dezember 2014 - Von Stefanie Bilen
SAAL ZWEI-Autorin und Jura-Studentin Christina Kufer

"Wir wollen nicht den schicken Dienstwagen, nicht das große Geld, sondern suchen vor allem eine sinnvolle Aufgabe. Das ist die übliche Definition für meine Generation, die vielzitierte Generation Y. Für die Suche nach dem Sinn haben Freunde von mir ein Navigationssystem entwickelt: Die Plattform 50WegezumJob will mit proaktiven Übungen und Tipps dabei helfen, der Traum-Karriere näher zu kommen. Es ist ein Tool nicht nur für die Generation Y. Die Suche nach dem Job mit Sinn kann in jedem Lebensabschnitt beginnen. Ganz egal, ob man gerade frisch von der Uni kommt, irgendwie in der gewohnten Arbeit stecken geblieben ist oder erst mal netzwerken will." 

Der Wunsch, Gutes zu tun und Spuren zu hinterlassen, ist hierzulande weit verbreitet. Laut einer Studie von Ashoka, dem weltgrößten Netzwerk für Social Entrepreneurs, und der Beratung McKinsey engagiert sich ein Drittel aller Deutschen ehrenamtlich. 39 % wünschen sich eine sinnstiftende Tätigkeit. Unter den Gen Y-Vertretern ist dieser Wert bereits deutlich höher: Laut einer Befragung der Gütersloher Medienfabrik von 3.600 Studierenden im vorigen April wollen 78 % einen Mehrwert für die Gesellschaft leisten. Und 60 % streben laut der Embrace-Studie an, mit ihrer Arbeit Menschen zu helfen und die Welt zu verändern. 

Die Online-Plattform '50 Wege zum Job mit Sinn' will ihren Teil dazu beitragen und gibt Tipps, wie junge Menschen ihre Traumkarriere verfolgen können. Damit reiht sich das Angebot  ein in eine Reihe von Portalen und Webangeboten, die zum Trendthema "Jobs mit Sinn" in den vergangenen Jahren gelauncht wurde. Sie heißen Proboneo, 'The Changer' oder 'Talents for Good' und wollen Talente mit sozialen Projekten und sinnstiftenden Aufgaben zusammenbringen. Watchado ist hingegen ein Start-up aus Österreich, das Arbeitnehmer und ihre Jobs mithilfe von gleichbleibenden Fragen in Kurzvideos vorstellt. So entsteht eine Art Wiki der Lebensläufe, das Job- und Sinnsuchenden Orientierung und Inspiration bietet. 

Für eine 'normale Firma' wollen immer weniger arbeiten

Nicole Winchell, Nadia Boegli, Naomi Ryland (v.l.)

Genau wie Watchado wollen auch die Gründerinnen von The Changer nicht schnöde Informationen rüberbringen, sondern Wissenswertes unterhaltsam aufbereiten. "Wir sind keine klassische Job-Plattform", sagt Nadia Boegli, eine der Gründerinnen. "Wir begleiten unsere Nutzer durch ihren ganzen Karriereweg hindurch." The Changer kommt als Blog daher und erzählt Geschichten aus dem sog. Social Impact-Sektor und weist auf Events hin. Bislang liegt der Fokus des im vergangenen April gegründeten Start-ups auf Berlin und Hamburg. Weitere Städte sollen folgen. Erlösquellen sind Jobanzeigen von Organisationen, Stiftungen und Sozialunternehmen, zudem können Hersteller nachhaltig produzierter Waren Werbung platzieren. 
Laut eigenen Angaben sind die Mitglieder der Changer-Community top ausgebildet und haben im Schnitt fünf Jahre Berufserfahrung. "78 Prozent von ihnen sagen, dass sie nur dann für eine 'normale' Firma arbeiten würden, wenn diese eine erfolgreiche, nachhaltige CSR-Abteilung habe oder sich die Firma sozialer und nachhaltiger positioniert", betont Boegli.

Geschäftsidee aus der Not heraus geboren

Anna Roth-Bunting (l.), Carola von Peinen

Talents4Good erinnert stärker an ein klassisches Jobportal - ihr Ziel ist aber ähnlich: Soziale Initiativen mit Talenten zu versorgen. Und gleichzeitig Menschen die Möglichkeit zu bieten, beruflich zu gesellschaftlichem Mehrwert beizutragen. Entstanden ist Talents4Good aus dem Zusammentreffen dreier Menschen: Die Unternehmensberaterin Anna Roth-Bunting wollte sich neu orientieren und suchte 2011 einen Job bei einem Social Enterprise. Allerdings musste sie feststellen, dass es komplizierter als gedacht war, diesen zu finden. Eine ähnliche Erfahrung machte Carola von Peinen, langjährige Mitarbeiterin der Zeitarbeitsfirma Randstad. Beide trafen auf Marco Janezic, einen Unternehmer und Unterstützer von Ashoka. Roth-Bunting leitet heute den Firmen-Standort in Berlin, von Peinen in München - und Ashoka ist Partner und bringt die Perspektive der Social Entrepreneurs ein.

Gutes tun auf Zeit

Insbesondere Social Enterprises begrüßen solche Initiativen und Geschäftsideen, bekommen sie dadurch doch endlich einen Zugang zu engagiertem und qualifiziertem Personal. Denn auch das hat die Studie von Ashoka und McKinsey Ende 2012 hervorgebracht: Soziale Unternehmen gelten eher als unattraktive Arbeitgeber. Der Grund sind die vergleichsweise niedrigen Gehälter, die gezahlt werden. Und die sind auch der Generation Y nicht egal: 73 %, so heißt es in der Embrace-Studie, wollen mit ihrer Arbeit viel Geld verdienen. 
Möglich, dass die Geschäftsidee von Claudia Leißner die Lösung des Dilemmas ist: Mit ihrer gemeinnützigen GmbH Proboneo bringt die ehemalige McKinsey-Beraterin gemeinnützige Organisationen mit engagierten Fach- und Führungskräften auf Projektbasis zusammen. 

Proboneo-Gründerin Claudia Leißner

Rund 100 solcher Projekte hat die im Frühjahr 2014 gegründete Initiative bereits begleitet. Expertise aus Strategie, Fundraising, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit werden am stärksten nachgefragt. "Das sind häufig die Bedarfe, die Mitarbeiter gemeinnütziger Organisationen am deutlichsten spüren und die sich am einfachsten benennen lassen", sagt Leißner. "Wir wissen aber aus der jahrelangen Zusammenarbeit mit Non-Profit-Organisationen, dass Finanzen und IT ebenfalls wichtig für den Erfolg von Organisationen sind." Drei bis sechs Monate steigen interessierte Fach- und Führungskräfte im Schnitt aus ihrem regulären Job aus, um pro bono zu unterstützen. Wer Lust auf ein solches Engagement hat, kann sich auch über kürzere Einsätze herantasten. Von einer zweistündigen Telefonberatung bis zu einem Eintagesworkshop sind mehrere Kurzeinsätze möglich.

Pro-bono-Einsätze sollen Selbstverständlichkeit in Karriereplanung werden 

Claudia Leißner will Non Profits nicht nur praktisch helfen, sie möchte einen Kulturwandel anstoßen: "Wenn das Pro-bono-Engagement eines Tages Teil unserer Karrierekultur und es selbstverständlich wird, im Bewerbungsgespräch auch nach den Engagementmöglichkeiten im Unternehmen zu fragen, dann kann es uns gelingen, gemeinnützigen Organisationen einen Ressourcenpool zu erschließen, der mindestens so wertvoll wie Geldspenden ist."

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