"In einem Dirndl ist jede Frau schön"

Sagte einst Vivienne Westwood und daran hat sich Sibilla Kawala gehalten. Nachdem ihr Onlineshop für junge Mode zum Selbstgestalten nicht so recht in Gang kam, spezialisierte sie sich auf Trachtenmode. Ausgerechnet von Hamburg heraus gelang es ihr, den größten Onlineshop für Designertrachten zu entwickeln: Limberry. Im Interview erzählt die Gründerin, wie sie das geschafft hat, warum ihre Eltern bei ihr mitarbeiten und weshalb sie im kommenden Monat drei dicke Kreuze machen wird...
Sibilla Kawala, Limberry-Gründerin
Hamburg, den 18. Mai 2016 - Von Stefanie Bilen

SAAL ZWEI: Sibilla Kawala, Sie sind ein Nordlicht und haben eine Vorliebe für Trachtenmode. Woher kommt die?

Sibilla Kawala: Seit ich denken kann, fahre ich in die Berge, im Winter zum Skifahren und im Sommer zum Wandern. Ich fand Dirndl schon als kleines Mädchen unglaublich schick! Ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen, und ich liebe meine Heimat. Jedoch: Das Traditionsbewusstsein, welches sich in der Kleidung widerspiegelt, gibt es hier nicht. Trachtenmode verbindet die Menschen und stiftet ein Gemeinschaftsgefühl. Das hat mich schon früh fasziniert. Die modernen Einflüsse gemischt mit den klassischen Mustern und Stoffen machen Trachtenmode zudem sehr abwechslungsreich und auch im Alltag tragbar. Vivienne Westwood hat einmal gesagt: In einem Dirndl ist jede Frau schön - das finde ich auch!

2010 starteten Sie Ihren Limberry-Online-Shop mit junger Mode zum Selbstgestalten. Das Geschäft war schwierig und Sie spezialisierten sich auf Trachtenmode. Was machte Sie zuversichtlich, dass das besser funktionieren würde?

Als ich 2014 das Konzept änderte und Limberry auf Trachtenmode spezialisierte, hatte ich keine Gewissheit, ob es wirklich klappen würde. Ich hatte aber keine andere Wahl, denn aufgeben und Limberry schließen wollte ich nicht. Mir war klar, dass wir mit individualisierbarer Mode in einem ganz kleinen Nischenmarkt operierten. So war ich auf der Suche nach einem neuen Konzept, das zu uns passte und unsere bisherigen Mühen miteinschloss. Da wir uns im Bereich Trachtenmode schon einen kleinen Namen gemacht hatten, war unsere Aufgabe, genau dieses Angebot auszuweiten. Und so folgte der nächste logische Schritt: Limberry nahm weitere renommierte Hersteller aus dem Trachtensegment mit auf und eine eigene fertige Kollektion wurde entwickelt. Und genau das war dann die Wende…

Wer sind Ihre Kunden?

Vornehmlich sprechen wir weibliche Kunden im Alter von 25 bis 50 Jahren an. Unsere Kunden kommen aus der DACH-Region und, was interessant ist, zunehmend auch aus der ganzen Welt: Wir verkaufen nicht nur in das europäische Ausland, sondern auch beispielsweise nach Japan, in die USA sowie in die Vereinigten Emirate. Da inzwischen überall Oktoberfeste gefeiert werden, steigt die Nachfrage auch international.

Arbeiten Sie denn das ganze Jahr über auf das Oktoberfest hin?

Obwohl Trachtenmode ein Saisongeschäft ist, konzentrieren wir unser Geschäft nicht ausschließlich auf das Oktoberfest. Es gibt viele Feste wie beispielsweise Hochzeiten, Taufen oder Geburtstagtage, wo Tracht getragen wird. Und die Hochsaison beginnt schon viel früher, als viele vielleicht denken mögen: Unsere heiße Phase geht im Frühling mit den Wald- und Wiesenfesten los und endet nach dem Oktoberfest und dem Canstatter Wasn im Oktober.

In zivil: die Trachtenmode-Händlerin

Mit der Gründung Ihres Start-ups nach dem BWL-Studium im Alter von gerade mal 26 Jahren entschieden Sie sich gegen den Einstieg ins Familienunternehmen, einem Stahlhandelsunternehmen. Warum?

Ich habe zwei Jahre meinen Vater in unserem Familienbetrieb unterstützt und dort Vollzeit gearbeitet. Jedoch musste ich feststellen, dass die Branche nicht meine Begeisterung entfachen konnte. Zum Glück hat mein Vater verstanden und akzeptiert, dass man einfach zu viele Stunden seines Lebens bei der Arbeit verbringt, um etwas zu machen, das einem nicht wirklich Spaß macht. Ich hatte andere Interessen und Ideen, die ich in mein eigenes Unternehmen in einer 'kreativeren' Industrie einbringen wollte.

Heute arbeiten Ihre Eltern ebenfalls bei Limberry. Wie sieht die Aufgabenteilung aus?

Meine Mutter hat ein sehr kreatives Händchen und gemeinsam entwickeln wir die eigene Limberry-Kollektion. Zusätzlich betreut sie unsere Produktion im In- und Ausland. Mein Vater hilft mir im Bereich Buchhaltung. Darüber hinaus ist er mein Mentor und engster Vertrauter. Wenn es um Strategien und wichtige Business Entscheidungen geht, ist er mein erster Ansprechpartner. Seine langjährigen Erfahrungen als Unternehmer helfen mir sehr.

Nebenher promovieren Sie zum Thema "Mass Customization". Wie bekommen Sie das unter einen Hut?

Ehrlich gesagt ist es recht anstrengend und bedarf jeder Menge Disziplin, neben einem Vollzeit-Job noch zu promovieren. Aber ich schreibe über ein Thema, das auch für unser Geschäft relevant ist. Das macht die ganze Sache sehr interessant und einfacher. Zudem habe ich mich nicht stressen lassen und arbeite kontinuierlich an Wochenenden oder nach der Arbeit an meiner Promotion. Im kommenden Monat möchte ich diese abgeben. Ich bin also schon über den Berg und befinde mich gerade in der finalen Phase!

Wie wichtig ist Mass Customization denn für Limberry?

Mass Customization ist unser Ursprung und ohne dieses Konzept wären wir jetzt nicht da, wo wir sind. 2010 war ein fotorealistischer Konfigurator noch eine Innovation in der Modeindustrie - und ich bekam dafür viel Aufmerksamkeit und tolles Feedback. Letztlich musste ich mir jedoch eingestehen, dass Mass Customization zwar als schönes Zusatzangebot gut funktioniert, jedoch als alleiniges Geschäftsmodells leider nicht rentabel ist. Es ist und bleibt aber ein super Alleinstellungsmerkmal mit einem hohen Wiedererkennungswert für die Firma.

Sibilla Kawala gründete Limberry 2010 als Fashion Label für junge Mode zum Selbstgestalten. 2014 kam der Wandel zum Onlineshop für Designertrachten. Mit 500 Dirdl-Modellen ist Limberry einer der größten Online-Anbieter. Kawala beschäftigt acht Mitarbeiter.

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