"Unsere Kunden sind alle erfolgreich"

Im Top-Management geht es nicht um gute Leistung, sondern um die richtige Einstellung: Wer ehrgeizig ist, bringt es nicht weit - gefragt ist Ambition. Die Coaches Dorothea Assig und Dorothee Echter erläutern im SAAL ZWEI-Interview den Unterschied zwischen beiden Haltungen und geben Einblicke in ihre Ratschläge für Hochkaräter.
Hamburg, den 24.10.2012 - Von Stefanie Bilen

SAAL ZWEI: Frau Assig, Frau Echter, Sie arbeiten als Coaches für Top-Manager. Beeinflusst eine Wirtschaftskrise Ihre Auftragslage?

Dorothee Echter (unteres Foto): Nein, eigentlich nicht. Unsere Kunden sind Vorstände von Dax-Unternehmen und die erste Reihe danach. Außerdem große Mittelständler, Minister, Sportler oder Künstler. Wir betreuen die Champions League des jeweiligen Bereiches. Es geht dabei um Erfolge und Scheitern, ums Lernen, um Reputation und Einfluss sowie darum, wie man eine Community gestaltet. Insofern arbeiten wir langfristig mit unserer Klientel zusammen.

Kommt es nicht vor, dass Kunden pausieren, wenn sie beispielsweise ihren Job verlieren?

Dorothea Assig: Nein, unsere Kunden sind alle erfolgreich. Auch wenn sie mal von ihrem Job freigestellt werden, bleiben sie innerhalb einer Liga. So etwas bedeutet keinen Absturz. Daher bleibt unser Mandat bestehen. Gerade dann geht es darum, die ein bis zwei Jahre bis zum nächsten Job  zu gestalten, die eigene Marke zu stärken, eine gewisse Erfolgsgewissheit beizubehalten. Dieses Bewusstsein, dass schwierige Situationen zur Laufbahn dazugehören – das ist Erfolgsgewissheit.
Echter: Es geht im Wesentlichen darum, Regie zu führen über die eigentliche Entwicklung – und zwar gerade in Krisen.

Wie bleibt man denn im Regiesessel, wenn man vor die Tür gesetzt wird?

Echter: Weil wir mit unseren Klientinnen und Klienten zu ihrer Erfolgsgewissheit arbeiten, wissen sie, wie das geht: sich an der eigenen Ambition orientieren, die Erfolgsgewissheit stärken, die Kontakte zur eigenen Community pflegen, positive Resonanz erzeugen und immer weiter lernen. Zur positiven Resonanz gehört, dass Gespräche so geführt werden, dass jeder ein angenehmes Gefühl behält und niemand in die Situation gebracht wird, nein sagen zu müssen.

Ist das nicht schwierig, wenn man gerade einen großen Misserfolg verbuchen musste?

Assig: Top-Manager – und wir reden hier wirklich nur über herausragende Führungskräfte – haben gelernt, diszipliniert zu sein. Und Disziplin brauchen sie in schwierigen Phasen. Wenn sie mal einen schlechten Tag haben, wissen sie, dass sie am besten gar nicht ans Telefon gehen sollten.
Befinden sie sich in einem Gespräch für eine neue Aufgabe, sollten sie wissen: Ihre Leistung gilt als erwiesen. Das bedeutet, es geht vielmehr darum, die Persönlichkeit zu zeigen. Damit signalisieren sie in Top-Positionen Zugehörigkeit.

In Ihrem aktuellen Buch beschreiben Sie, warum der eine Abteilungsleiter wird, der andere CEO. Ambition mache den Unterschied zwischen beiden aus. Was unterscheidet Ambition von Ehrgeiz?

Echter: Ambition ist substanziell, es geht um Inhalte und darum, etwas in die Welt zu bringen, nicht, etwas zu bekommen. Ein Musiker braucht das Musizieren, das ist sein Lebenselixier. Oder jemand hat den unbedingten Willen, ein bestimmtes Produkt zu entwickeln oder eine Dienstleistung zu internationalisieren. Ehrgeiz dagegen will haben: Reichtum, Aufmerksamkeit, Status.

Erkennen Sie bei Ihrem Gegenüber, ob er von Ambition geleitet wird oder von Ehrgeiz?

Echter: Ja, das erkennen wir. Im Top-Management gibt es wenig Menschen, die keine Ambitionen haben. Allerdings gibt es viele Beispiele von Personen, die an ihren Ambitionen vorbeileben. Sie orientieren sich an einem gewissen Status oder am Geld und vergessen ihre Ambitionen. Sie werden zynisch oder scheitern.

Sie schreiben, für Top-Manager sei es essentiell, immer im Lernmodus zu blieben. Geht es bei den CEOs großer Konzerne nicht viel eher um Rechtsfertigungsdruck und Machterhalt?

Assig: Top-Manager müssen ständig lernen, denn Erfolg braucht Bewegung, keinen Stillstand. Das Lernen im Top-Management muss in der eigenen Liga erfolgen: in Begegnungen und Gesprächen mit Top-Beraterinnen und -Beratern, die sich in der Liga bewegen.
Echter: Input kommt immer von anderen Hochkarätern. Wir raten Top-Managern nicht, sich ein Netzwerk aus Mitarbeitenden und Abhängigen aufzubauen, sondern sich in der eigenen Liga und vor allem auch außerhalb des eigenen Unternehmens zu bewegen. Eine gute Top-Management-Community ist durch Wertschätzung und nicht durch Berechnung geprägt. Dann ist Lernen am besten möglich.  

Inwieweit hilft der gesunde Menschenverstand?

Echter: Im Top-Management ist gesunder Menschenverstand ein sehr komplexer Prozess. Um der eigenen Orientierung stringent folgen zu können, brauchen Menschen psychische Disziplin. Die Verführung mag da sein, das Negative zu sehen und sich zu empören, nur führt dies niemals zum Erfolg im Top-Management. Hier gilt: Sie müssen positiv über das Wirken von sich selbst und anderen sprechen, Sie müssen die Zuversicht betonen.

Dorothea Assig und Dorothee Echter arbeiten seit mehr über 20 Jahren als Coaches für Top-Manager, Spitzensportler, Politiker, Künstler und Wissenschaftler.
In ihrem aktuellen Buch "Ambition" beschreiben sie, dass große Karrieren fünf Erfolgsprinzipien zugrunde liegen: 
1. Der Ambition folgen, 2. das Können vollkommnen, 3. die Psyche stabilisieren, 4. positive Resonanz erzeugen, 5. die eigene Bühne gestalten.
"Ambition - wie große Karrieren gelingen", Dorothea Assig und Dorothee Echter, Campus.
www.dorotheaassig.de, www.dorotheeechter.de
 

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