Vom Zimmermädchen zur Unternehmerin

Sie war 17 und mutterseelenallein, als sie in den 1980-er Jahren vor dem Golfkrieg aus Teheran nach Deutschland floh. Jasmin Taylor hatte weder Geld noch das Abitur in der Tasche. Aber sie biss sich durch - und ist heute eine erfolgreiche Touristik-Unternehmerin. Mit ihrem Spezialreiseveranstalter für die Vereinigten Arabischen Emirate hat Taylor es schnell zur Umsatz-Millionärin gebracht. Ihr Credo "Man kann es immer schaffen" will sie jetzt an andere Flüchtlinge weitergeben: Mit der Initiative "Strong Independent Sisters" unterstützt sie Frauen aus Syrien oder dem Iran, hierzulande auch auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
Hamburg, den 19. August 2015 - Von Stefanie Bilen

Sie ist ein echtes Vorbild: Mit 17 Jahren ist Jasmin Taylor in den 1980-er Jahren alleine aus dem Iran geflohen, obwohl sie zuvor keine einzige Nacht ohne ihre Familie verbracht hatte. In Bonn angekommen, lernte die Älteste von sieben Geschwistern Deutsch, machte ihr Abitur, studierte später in den USA - und arbeitete nebenbei stets als Zimmermädchen oder Servicekraft in einem Hotel. Ihre Eltern sind ihr nie - wie gehofft - nach Deutschland gefolgt. Heute ist die gebürtige Iranerin Touristikunternehmerin in Berlin und beschäftigt rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zuletzt setzte ihr Reiseveranstalter JT Touristik 151 Millionen Euro um - als Spezialist für Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate. Sowohl ihr Online-Reisebüro, das sie 2002 gründete, als auch der Veranstalter JT Touristik, den sie 2009 startete, verdienten vom Start weg Geld, weil sie sich mit aufstrebenden Destinationen wie Dubai eine viel versprechende Nische suchte. Und die Reise-Unternehmerin will weiter wachsen: Bis 2018 soll der Umsatz auf 500 Millionen Euro wachsen.

Vorbild für Flüchtlingsfrauen

Voriges Jahr hat die Unternehmerin eine Initiative ins Leben gerufen, mit der sie Frauen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind, unterstützen will. "Strong Independent Sisters" (SIS) heißt die Organisation, die aktuell 15 Frauen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, dem Iran und Irak bei der Integration hilft - mit Deutsch-Unterricht, interkulturellen Kursen, Kinderbetreuung und einem Praktikum in passenden Unternehmen. (Flüchtlinge aus diesen Ländern haben gute Chancen auf eine Aufenthaltsgenehmigung.) Sobald die Deutsch-Kenntnisse der Frauen ausreichen, will SIS sie in Beschäftigungsverhältnisse vermitteln. Fast alle haben in ihren Heimatländern in Branchen und Bereichen gearbeitet, die hierzulande unter Fachkräftemangel leiden, etwa in der Pflege, in ingenieurwissenschaftlichen Bereichen, aber auch im Tourismus, wie Jasmin Taylor kürzlich im Interview mit dem Deutschlandradio sagte. "Ich kann diesen Frauen ein Vorbild sein. Ich will ihnen zeigen, dass man es immer schaffen kann."

In der Rubrik Top-Managerin im Profil stellen wir den SAAL ZWEI-Leserinnen sowie der Leserschaft des Handelsblatt Morning Briefings erfolgreiche Frauen an der Spitze vor. Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts, fasst in seinem Morning Briefing täglich noch vor dem Frühstück relevante News aus Wirtschaft, Politik und Finanzen poinitiert zusammen. Gratis für den Leser.


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Ziel der Initiative ist, den Frauen - die sich über Sozialdienste bewerben können und nach Einzelinterviews mit Jasmin Taylor ausgewählt wurden - dabei zu helfen, beruflich und finanziell unabhängig zu werden. "Ich würde mir wünschen, dass die Frauen später auch selbst als Paten und Vorbild für weitere Frauen fungieren", sagt Taylor. Dass es nicht nur Zuckerschlecken ist, sich als ausländische Frau im Geschäftsleben durchzusetzen, hat Jasmin Taylor selbst erlebt. Drei Dinge haben ihr geholfen, am Ball zu bleiben: Selbstvertrauen, Kraft und die Begeisterung für den eigenen Weg.  

(Foto: JT Touristik) Hier finden Sie alle bereits erschienenen Beiträge der Reihe "Top-Managerin im Profil".


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