"Warum wollen so wenige Frauen beruflich erfolgreich sein?"

Die Jury des Mestemacher-Preises hat Martina Koederitz als Managerin des Jahres 2015 ausgezeichnet. Sie würdigt ihren unternehmerischen Erfolg als IBM Deutschland-Chefin sowie ihren Einsatz für Chancengleichheit. SAAL ZWEI sagte die Top-Managerin vor einer Weile im Interview: Nicht die Quote löse das Problem von zu wenig Frauen in Führung, viel mehr müsse ein Kulturwandel her, damit sich nicht mehr so viele gut ausgebildete Frauen mit der Rolle als Familienbetreuerin zufrieden geben.
Hamburg, den 16. September 2015 - Von Stefanie Bilen

Martina Koederitz ist Managerin des Jahres 2015. Die Jury des Mestermacher-Preises würdigte ihren unternehmerischen Erfolg als Vorsitzende des Geschäftsführung von IBM Deutschland, aber auch ihren Einsatz für die Chancengleichheit von Frauen und Männern am Arbeitsplatz. Ulrike Detmers, Initiatorin des Preises und Laudatorin am vergangenen Freitag im Hotel Adlon in Berlin nannte Koederitz einen "weiteren Leuchtturm in der Männerwelt Wirtschaft."

Koederitz ist seit Mai 2011 Vorsitzende der Geschäftsführung von IBM Deutschland, seit April 2013 verantwortet sie zudem das Geschäft in allen deutschsprachigen Ländern. Die Betriebswirtin hat ihre Karriere bereits 1987 in dem IT-Konzern begonnen. Sie vergangenem Juli engagiert sie sich in der Initiative Chefsache unter der Schirmherrschaft von Angela Merkel für mehr Chancengleichheit in Führungspositionen. "Mein besonderes Anliegen ist es, Mädchen für die Informationstechnologie zu begeistern und sie ihnen schon als Schülerinnen als Berufsfeld schmackhaft zu machen", sagte sie im vergangenen Juli im Interview mit SAAL ZWEI.

In der Rubrik Top-Managerin im Profil stellen wir den SAAL ZWEI-Leserinnen sowie der Leserschaft des Handelsblatt Morning Briefings erfolgreiche Frauen an der Spitze vor. Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts, fasst in seinem Morning Briefing täglich noch vor dem Frühstück relevante News aus Wirtschaft, Politik und Finanzen poinitiert zusammen. Gratis für den Leser.


In Kooperation mit

'

"Chefsache" ist eine Initiative der Bundeskanzlerin, die Frauen wie Männer in Spitzenpositionen dafür gewinnen will, Chancengleichheit im eigenen Unternehmen herzustellen sowie eine gesellschaftliche Debatte anzustoßen. Zu den Gründungsmitgliedern gehören neben IBM beispielsweise Bosch, McKinsey, Siemens sowie der Caritas-Verband und die Fraunhofer Gesellschaft. Koederitz erhofft sich nicht weniger als einen Wandel in der Gesellschaft, denn auch eine Frauenquote für das Top-Management von Unternehmen greife zu kurz: "Ich persönlich bin keine Verfechterin der Quote", sagt sie. "Wenn heute in den oberen Führungsetagen kein Potential zu finden ist, liegt es an einer fehlenden Qualifikation, und das löst die Quote nicht. Die Basis an Frauen ist insgesamt und vor allem in den technisch orientierten Berufen zu gering und hier müssen wir ansetzen. Eine Kulturveränderung passiert aber nicht über Nacht."

Diese Kulturveränderung - darin ist sich Koederitz mit den übrigen Chefsache-Initiatoren einig - müsse in allen Bereichen der Gesellschaft vonstatten gehen: "Ich wünsche mir eine andere öffentliche Diskussion", sagt die IBM-Chefin. "Nicht: Müssen Frauen Karriere machen - sondern warum wollen eigentlich so wenige Frauen beruflich erfolgreich sein? Warum geben sich selbst gut ausgebildete Frauen mehrheitlich mit der Rolle der Familienbetreuerin zu Hause zufrieden?" Das sei mindestens genauso wichtig, betont Koederitz. Denn ein Unternehmen könne das Wollen einer potenziellen weiblichen Führungskraft nicht erzwingen. "Wir können es nur unterstützen."

Der Mestemacher Preis, gestiftet von der Gütersloher Großbäckerei Mestemacher, wurde bereits zum 14. Mal verliehen. 2014 hieß die Managerin des Jahres Anke Schäferkordt. Martina Koederitz will das Preisgeld von 5.000 Euro ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern überlassen, die es in bestehende Flüchtlingsprojekte in Afrika investieren. 

Martina Koederitz mit Ulrike Detmers, Mestemacher, Laudator Dieter Kempf, Datev, und Festrednerin Elke Holst, DIW Berlin (v.l., Foto: Agentur Baganz)

Hier finden Sie das komplette SAAL ZWEI-Interview mit Martina Koederitz:

"Mit dem Rückenwind der Kanzlerin"
Vorigen Juli haben sich elf namhafte Arbeitgeber unter der Schirmherrschaft von Angela Merkel zusammengetan, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Weil eine Frauenquote alleine nichts bringt, wie Martina Koederitz sagt...
www.saalzwei.de

 

Mittwochs ist SAAL ZWEI-Tag.
Abonnieren Sie das kostenlose Online-Business-Magazin für Frauen und erhalten Sie ausgewählte relevante Inhalte direkt in Ihr Postfach. Jetzt gratis bestellen.
Und SAAL ZWEI auf Facebook und Twitter folgen.

SAAL ZWEI abonnieren

Mittwoch ist SAAL ZWEI-Tag:

Erhalten Sie jeden Mittwoch die neue Ausgabe
des Online-Magazins für Frauen direkt in Ihr
Postfach: Businesstrends, Exklusiv-Interviews,
Karrieretipps, Lifestyle, ... – gratis!

SAAL ZWEI-GASTAUTOREN

Kathrin Bierling
Eva Buchhorn
Anna Marohn