"Wie ich als Deutsche im Silicon Valley Karriere mache"

Leben und Arbeiten in San Francisco? Für die Berlinerin Elsita Meyer-Brandt ist es Alltag. Seit 2012 arbeitet sie für den Ticket-Anbieter Eventbrite und verantwortet u.a. den Eintritt des Unternehmens in neue Märkte. Sie reizt die Start-up-Kultur, neben dem amerikanischen 'Can Do-Spirit'. Für SAAL ZWEI hat die Managerin aufgeschrieben, wie sie einen Job ergatterte, den es noch nicht mal gab, und worauf deutsche Kandidatinnen sich bei einer Bewerbung einstellen sollten.
San Francisco, den 27. April 2016 - Von Elsita Meyer-Brandt

"Für viele ist das Auslandsjahr in den USA ein fester Bestandteil ihres Studiums, und nicht wenige reizt der amerikanische 'Can Do-Spirit' so sehr, dass sie dort bleiben und arbeiten möchten. Und einen Job bei einem Start-up in San Francisco oder New York zu ergattern, ist auch absolut machbar. Allerdings müssen sich Bewerberinnen aus Deutschland bewusst sein, dass sie zwar mit ihrer Zweisprachigkeit trumpfen können, aber auch ein Handicap mitbringen: Für ein US-Unternehmen ist es vergleichsweise aufwändig, statt US-Amerikanerinnen ausländische Arbeitskräfte an Bord zu bringen.

Die gute Nachricht: Man kann es schaffen! Ich bin während meines Studiums über ein Praktikum zu Eventbrite nach San Francisco gekommen – und geblieben. Um diesen Job zu bekommen, waren für mich einige Faktoren entscheidend, die hoffentlich auch anderen Deutschen bei ihrer Karriere bei einem amerikanischen Start-up helfen können.

Berlinerin in San Francisco: Elsita Meyer-Brandt

Einfach loslegen - und selbstbewusst sein

Am wichtigsten ist Selbstvertrauen: Das hilft dabei, Herausforderungen mutig und ohne Zögern anzugehen und kleine Rückschläge wegzustecken. In Amerika herrscht ein starker Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte – im Silicon Valley sprechen die Personaler schon seit langem vom 'War of Talents'. Das heißt zwar einerseits, dass sich die Unternehmen dort stärker um die besten Bewerberinnen bemühen als anderswo. Aber im Umkehrschluss eben auch, dass tausende Bewerberinnen gegeneinander antreten, um sich als die beste Kandidatin zu profilieren. Ein souveränes, selbstbewusstes Auftreten und die Fähigkeit zu kommunizieren, warum man gut ist, helfen dabei.

Um sein Talent zu beweisen, sind Praktika eine gute Option – und zumindest in San Francisco auch ordentlich bezahlt. Im besten Fall führen sie, wie bei mir, zu einem festen Job. Beim Berufseinstieg ist es wiederum Einstellungssache, ob einen die vielen hochtalentierten Kollegen einschüchtern, oder ob man das als Chance erkennt, im Austausch mit intelligenten und ambitionierten Menschen so viel wie möglich für die eigene Karriere zu lernen.

Networking, Networking, Networking!

Ein weiterer Faktor, der die Karriere ankurbelt, ist das Kontakteknüpfen. In den USA herrscht eine sehr offene und kollaborative Kultur. So lernt man schnell und einfach neue Leute kennen und sammelt viele hilfreiche Kontakte. Ganz wichtig: Networking ist keine Einbahnstraße. Wer Rat oder Hilfe aus seinem Netzwerk annimmt, sollte das auch irgendwann wieder zurückgeben.

Alte Studienkollegen – natürlich vor allem, wenn du in den USA studiert hast – können dir unter Umständen bei der Stellensuche helfen. Viele von ihnen werden ähnliche Ambitionen haben wie du, und vielleicht hat der eine oder die andere selbst eine Stelle bei einem Tech-Start-up angenommen und kann dich den richtigen Kontakten empfehlen. Also ruhig mal ein wenig Zeit ins eigene Linkedin-Profil investieren und schauen, was die alten Kommilitonen so treiben.

Einen Fuß in die Tür beim Wunscharbeitgeber kannst du auch ganz einfach dadurch bekommen, dass du Events bei ihnen besuchst – viele Tech-Start-ups bieten Besuche in ihren Büros an, um ihre Marke aufzubauen und Absolventen anzuwerben. Ich habe Eventbrite kennengelernt, weil ich an einer von meinem MBA-Programm organisierten Tour zu mehreren Start-ups im Silicon Valley teilgenommen habe.

When opportunity knocks...

Wenn du eine einmalige Chance bekommst, greif zu. Auch wenn es gerade nicht passt oder nicht so, wie du das vielleicht möchtest. Ich wusste, was ich bei Eventbrite machen wollte, aber die Rolle gab es damals gar nicht. Deswegen habe ich meinen Kollegen in spe erstmal erklärt, warum sie mich unbedingt für eine internationale Expansionsrolle einstellen sollten, gerne auch als Praktikantin. Und das haben sie dann auch gemacht.

In den drei Monaten Praktikum habe ich zeigen können, dass ich dem Unternehmen langfristig einen echten Mehrwert bieten kann. Und an meinem letzten Tag als Praktikantin hat mir Eventbrite einen Job angeboten, inklusive Visum.

Ich hatte eigentlich geplant, mich voll auf den Abschluss meines MBA-Studiums zu konzentrieren, aber so eine Chance wollte ich einfach nicht ablehnen – und habe dann eben beides gemacht. Das war nicht einfach und hat mir viel Disziplin und Planung abverlangt. Aber am Ende hat es sich gelohnt.

Join the Team

Für viele Deutsche in amerikanischen Unternehmen – vor allem in Start-ups – ist die lockere Arbeitsatmosphäre ungewohnt. Yoga am Mittag, arbeiten auf dem Laufband oder in der Hängematte: Das ist hier nicht ungewöhnlich, sondern gewollt. Junge Firmen legen sehr viel Wert darauf, dass sich Mitarbeiter wohl fühlen – und dann leistungsfähiger sind. Dazu tragen auch der starke Team-Spirit und die flachen Hierarchien bei. Die Gründer von Eventbrite zum Beispiel suchen jede Woche das offene, persönliche Gespräch mit allen Mitarbeitern, nicht bei Townhall Meetings nur in San Francisco, sondern auch über Videokonferenzen weltweit. Auch unbequeme Fragen sind explizit erwünscht. Das ist eine Chance, die Berufsanfänger in Deutschland oft nicht haben. Umso wichtiger ist es, dass sie diese Angebote in den USA auch annehmen und sich profilieren, indem sie demonstrieren, dass sie über die eigene Rolle hinaus- und mitdenken können.

Fazit

Frauen, die Mut zur Leistung haben, die aktiv Hilfe suchen, annehmen und weitergeben, und die keine Angst davor haben zu sagen und zu zeigen, warum sie ein Gewinn für ein Unternehmen sind, können es ins Silicon Valley schaffen. Nicht nur das, sie werden händeringend gesucht."

Elsita Meyer-Brandt ist Senior Group Manager bei Eventbrite in San Francisco, einem der führenden Anbieter von Selfservice-Ticketing. Seit 2012 ist sie für die strategische Beratung im Zuge der globalen Expansion tätig. Zudem plant und bereitet sie den Eintritt in neue Märkte vor und hat u.a. die Eventbrite-Teams in Irland, Australien und voriges Jahr in Deutschland aufgebaut. Die gebürtige Berlinerin hat einen MBA-Abschluss der Haas School of Business (UC Berkeley).

 

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