"Wir sind wie ein Nasdaq für mobile Werbung"

So sehen Hidden Champions aus: Petra Vorsteher hat bereits vor zehn Jahren zusammen mit ihrem Mann ein Unternehmen gegründet, dass das Smartphone zur Geschäftsgrundlage hatte - obwohl es damals noch nicht mal das I-Phone gab. Heute ist Smaato einer der führenden Vermittler von Werbung für Mobiltelefone. 220 Mitarbeiter arbeiten weltweit für den Mobile Marketing-Spezialisten - und Vorsteher ist stolz darauf, sogar Tech-Botschafterin Hamburgs in San Francisco zu sein. Dass viel Musik in der Geschäftsidee steckt, zeigen die Zahlen: 47 Mio. $ hat Smaato von Investoren eingesammelt. Ihr größter Anteilseigner ist die Beteiligungsfirma von SAP-Gründer Klaus Tschira. Vielleicht schließt sich hier der Kreis: Auch Tschira gehörte mit SAP seinerzeit zu den deutschen Hidden Champions.
Petra Vorsteher
 
Hamburg/New York/San Francisco, den 14. Oktober 2015 - Von Nicole Mai

SAAL ZWEI: Petra, Smaato, das Unternehmen, das Du und Dein Mann 2005 gegründet habt, versteigert Werbeplätze auf Smartphones. Wie funktioniert Eure Auktionsplattform?

Petra Vorsteher: Smaato ist die weltweit führende unabhängige Echtzeit- Auktionsplattform für mobile Publisher und App-Entwickler. Wir verteilen native, Video- und Real Time-Werbung an mehr als 90.000 Akteure im Markt und managen mehr als sechs Milliarden Werbebanner pro Tag in der ganzen Welt an 800 Millionen Unique User. Wer eine App Werbung benötigt, fragt diese unseren Server (Publisher Platform SPX). Dieser started dann eine Auktion und schickt eine Auktionsanfrage an alle angeschlossenen sog. Demand Side- Plattformen. Innerhalb von 100 Millisekunden antwortet jede dieser Plattformen entweder mit einem Gebot und einem Nicht-Gebot, und der Gewinner bekommt den Zuschlag. Dies machen wir derzeit rund sechs Milliarden mal am Tag - Tendenz steigend.

Wer sind Eure Auftraggeber?

Wir sind wie ein Nasdaq für mobile Werbung. Unsere Kunden sind in erster Linie Publisher bzw. App-Entwickler, die Werbung für ihre Apps benötigen. Hierzu gehören Kunden wie Microsoft, Tomorrow Focus, AccuWeather, Talking Tom und viele andere. D.h. wir bringen Firmen, die Werbung in Apps oder auf mobilen Webseiten plazieren wollen, zusammen mit App-Herstellern oder Publisher von mobilen Webseiten, die dann die Werbung zeigen und damit Geld verdienen. 

Ihr seid schon seit zehn Jahren am Markt. Im Jahr Eurer Gründung gab es das I-Phone noch gar nicht. Wie seid Ihr auf Eure Idee gekommen?

2005, also zwei Jahre vor der Einführung des I-Phones, gründeten wir Smaato mit dem Ziel, Software für Smartphones - jetzt heißen sie Apps - zu entwickeln. Zu dem Zeitpunkt gab es als Smartphone nur den Palm Treo, der bereits eine große Fangemeinde hatte. Da es natürlich noch keinen App Store gab, war es schwierig, entdeckt zu werden. Die Bezahlung war ein weiteres Problem. Sehr schnell erkannten wir, dass die Monetarisierung durch Werbung geschehen müsste und der Nutzer die App kostenlos bekommen müsste. Wir entwickelten also unsere erste Werbeplattform und schlossen sog. Networks - Vermarkter - an, die uns mit Werbung belieferten, und andere App-Hersteller, die Werbung in ihren Apps oder auf ihren mobilen Website zeigen wollten.
Einige Modelle und Jahre später haben wir vor einem Monat eine neue 'State of the Art'-SMX-Plattform eingeführt. Darauf sind wir stolz. Denn während Google - in dem Bereich einer unserer Wettbewerber - drei Plattformen gekauft und entwickelt hat (Admeld, Doubleclick, AdX), haben wir eine komplett neue Technologieplattform entwickelt, die zusätzlich eine "Superauktion" betreibt.

In der Rubrik Top-Managerin im Profil stellen wir den SAAL ZWEI-Leserinnen sowie der Leserschaft des Handelsblatt Morning Briefings erfolgreiche Frauen an der Spitze vor. Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts, fasst in seinem Morning Briefing täglich noch vor dem Frühstück relevante News aus Wirtschaft, Politik und Finanzen poinitiert zusammen. Gratis für den Leser.


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Ihr seid weltweit vertreten mit Büros in San Francisco, New York, Hamburg und Singapur. Welche Kompetenzen sind wo angesiedelt? 

Smaato hat weltweit 220 Mitarbeiter aus 30 verschiedenen Nationalitäten. Das heisst, unsere Firmensprache ist Englisch, auch in Hamburg. Unsere Zentrale ist in San Francisco am Union Square, dort sind auch unser Innovations- und das Strategie-Team angesiedelt. Im Hamburger Emporio Tower ist Smaatos Europazentrale und unser gesamtes Engineering. Dort wird die Produktentwicklung der Platform betrieben und deshalb ist dort mit über 120 Mitarbeitern das grösste Team. In New York, wo sich weltweit die größten Werber und Marken befinden, sitzt unser internationales Sales Team im 42. Stock des Empire State Building. In Singapore befindet sich Smaatos Asia-Pacific-Sitz, die von dort aus den asiatischen und australischen Markt betreuen. In Jakarta hat Smaato ein Office und Joint Venture mit Indoast, einem der grössten Telekom-Unternehmen in Indonesien und Tochterfirma von Ooredoo (Qatar Telecom). Aus unserer Sicht beruht Smaatos Erfolg auf einer besonderen Kombination: Silicon Valley-Innovationen kombiniert mit deutscher Ingenieurskunst und globaler Expertise. 

Wieso habt Ihr gerade Hamburg als Standort für die Europa-Zentrale gewählt?

Hamburg ist der ideale IT-Standort. Es gibt großes Nachwuchspotenzial, wir arbeiten eng mit den Universitäten und Hochschulen zusammen. Als Stadtstaat hat Hamburg den Vorteil des kurzen Dienstweges - und die aktive Unterstützung der angesiedelten Firmen durch Olaf Scholz und sein gesamtes Team ist in Deutschland und auch Europa einmalig. Zudem haben unsere Partner Google, Facebook, Twitter Hamburg auch als Standort ausgewählt. Das spricht Bände.

Feierlichkeiten zum 10. Geburtstag in Hamburg.

Ihr habt insgesamt bereits 47 Mill. $ Investitionskapital eingesammelt. Womit überzeugt Ihr Geldgeber immer wieder? 

Für Smaatos Investoren zählen in erster Linie das erfahrenen, internationale Management-Team, die 'State of the Art'-Technologieplattform, unsere globale Aufstellung und natürlich die großen Marktchancen. Für 2016 wird der Weltmarkt für mobile Werbung auf 134 Milliarden US-$ beziffert. 
Alle Investoren sehen Smaato als Finanzinvestment, das einen finanziellen Return erbringen soll. Dies erreichen wir, indem wir weiterhin profitabel sind, mehr als 50 Prozent jährlich wachsen und die Firma kontinuierlich ausbauen.

Du engagierst Dich für das globale Netzwerk "Women in Wireless". Warum? 

Frauen sind weltweit in Führungspositionen leider noch immer in der Minderheit. Netzwerke, in denen sie sich fachlich und persönlich austauschen und voneinander lernen können, und dies auf globaler Ebene, werden immer wichtiger. Dafür setze ich mich ein.

Petra Vorsteher erhielt in 2014 von Hamburgs Bürgermeister Scholz die Auszeichnung "Hamburg Ambassador in San Francisco", ein Ehrenamt, bei dem sie Wirtschaftskontakte an der Westküste der USA für die Hansestadt knüpft.


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