Die besten Neuerscheinungen der Buchmesse 2014

Frankfurt trifft Finnland: Mehr als 20 Millionen Bücher werden jedes Jahr in Finnland verkauft. Bei einer Einwohnerzahl von fast 5,5 Mio. ist das eine beachtliche Zahl. Für die Organisatoren der Frankfurter Buchmesse, die heute ihre Pforten öffnet, ist es ein Grund, die nordische Nation als Gastland vorzustellen. Unsere Autorin Stephanie Krawehl hat eine finnische Neuerscheinung aus diesem Riesenangebot herausgepickt, die sie Literaturfans ans Herz legen will. Thema ist Irma, Anfang 50, die sich aus Mangel an Freunden als Marktforscherin versuchen will. Und dabei grandios untergeht. Freuen Sie sich auf fünf handverlesene Buchempfehlungen einer Hamburger Literatur-Kennerin - vom Roman übers Kinderbuch bis zum Krimi.

Hamburg, den 08.10.2014 - Von Stephanie Krawehl

Selbsternannte Meinungsforscherin mit eingerosteten Umgangsformen

Irma, Anfang 50, einsam, versucht sich als Mitarbeiterin eines Marktforschungsinstituts. Eine Lawine unerwarteter Begegnungen und Ereignisse bricht über sie herein. Mit dieser leicht melancholischen Geschichte, gepaart mit komischen Momenten, die mitten ins Herz gehen, schafft Mikko Rimminen einen Roman mit unglaublicher Zärtlichkeit über das Thema Einsamkeit und Nächstenliebe. Ein sehr origineller Text, ausgezeichnet mit dem Finlandia Preis 2010. Ein wunderbares Beispiel für einfühlsame Literatur mit humorigen Einsprenkseln aus Finnland, dem diesjährigen Gastland auf der Frankfurter Buchmesse – für die, die sich gerne auf Unvorhergesehenes einlassen.

"Der Tag der roten Nase" von Mikko Rimminen, aus dem Finnischen übersetzt von Stefan Moster, DTV Taschenbuch 2014, 340 Seiten, 9,90 Euro.

Hochdramatischer Roman über Identität, Herkunft, Verrat und Liebe

Aus den Banlieues von Paris nach New York zu den oberen Einhundert - das ist die unglaubliche Geschichte des Samir Tahar. Sein Leben ändert sich schlagartig, als ein sephardischer Jude in ihm seinesgleichen sieht und Samir die Türen zu einer erfolgreichen Karriere als Rechtsanwalt in New York öffnet. Der Haken an der Sache: Samir ist arabischstämmig. Er „neutralisiert“ seinen Vornamen in Sam und baut sich einen jüdischen Lebenslauf. Vorlage dafür: sein ehemaliger Freund Samuel, den er mit dessen Freundin Nina betrogen hat und Paris verlassen musste. 20 Jahre später in Paris: Die ehemaligen Freunde treffen wieder aufeinander. Ein psychologisch hochdramatischer Roman über Identität, Herkunft, Verrat, Liebe. Ein absoluter Höhepunkt in diesem Bücherherbst – für alle, die nicht zimperlich sind.

"Die Gierigen" von Karine Tuil, aus dem Französischen übersetzt von Maja Ueberle-Pfaff, Aufbau Verlag 2014, 479 Seiten, 19,95 Euro.

Wiederentdeckung des 'Krimi Noir'

Roy Cady, Anfang 40, Kurier und Auftragskiller eines Syndikats, ist in der Bredouille: Vormittags erfährt er, dass er Lungenkrebs hat und abends will ihn sein Boss wegen einer Eifersuchtsgeschichte umlegen lassen. Den Anschlag überlebt er knapp, rettet dabei die junge Prostituierte Rocky und befindet sich von da an mit ihr auf der Flucht. Dieser Roman des Drehbuchautors der Erfolgsserie "True Detektives" ist eine Entdeckung – die Wiederbelebung des Genre vom Krimi Noir. Wer gerne mit einem Protagonisten der besonderen Art auf eine aufregende Reise gehen möchte, ist hier genau richtig.

"Galveston" von Nic Pizzolatto, aus dem amerikanischen Englisch von Gunter Blank, Metrolit Verlag 2014, 253 Seiten, 20,00 Euro.


Zeitreise für leseerprobte Zehnjährige

Sabine Ludwig erzählt die Geschichte der zwölfjährigen Uli, die in den 60-er Jahren zur Kur an die Nordsee "verschickt" wird. Hier erwarten sie allerdings keine schönen Ferien, sondern in dem Kurheim geht es streng zu – keiner ist freiwillig da. Die Freundschaft zu ihren Zimmerkameradinnen Freya, Fritze und Anneliese erleichtert Uli den Alltag. Doch auf einmal ist Freya verschwunden. Die drei anderen Mädchen machen sich heimlich auf die Suche und finden sie weit draußen im Wattenmeer. Doch dann können sie nicht mehr zurück … Eine sehr gefühlvoll erzählte Geschichte mit persönlichem Bezug zur Autorin. Wieder wunderbar geschrieben – für leseerprobte Kinder.

"Schwarze Häuser" von Sabine Ludwig, Dressler Verlag 2014, 352 Seiten, 14,99 Euro, ab 10 Jahren.

Aufforderung zu mehr eigenen Gedanken und weniger Stromlinienförmigkeit

Die Hochschuldozentin Christiane Florin versucht mit ihrem Essay, auf die allzu homogene und allzu brave Menge der Studenten aufmerksam zu machen. Ihr fehlt der Wille zum Widerspruch im Zusammenhang mit kontroverser Diskussion. Sie bedauert, dass an den Unis vieles schief läuft, aber in der Öffentlichkeit nur über Strukturfragen gesprochen wird und nicht über Studieninhalte. Bildung wird zur Qual und ist nicht mehr "Türöffner". Mehr eigene Gedanken und weniger Stromlinienförmigkeit  - das wünscht sich Christiane Florin. Ihr Beitrag ist ein wichtiger Text zum Thema "Welches Klima herrscht im heutigen Uni-Alltag? Was bedeutet Studieren heute und wie kommen die Lehrenden mit den heutigen Studenten zurecht?". 

"Warum unsere Studenten so angepasst sind" von Christiane Florin, Rowohlt 2014, 80 Seiten, 4,99 Euro.

Stephanie Krawehl ist Inhaberin der Hamburger Buchhandlung Lesesaal. (Anm. d. Red.: In Gastbeiträgen vertreten unsere Autorinnen und Autoren ihre eigene Meinung. Es fließen keine Honorare - in keinerlei Richtung. Die redaktionelle Hoheit liegt stets in der SAAL ZWEI-Redaktion.)


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