„Die plastische Chirurgie ist viel mehr als Schönheits-OPs“

Mit Constance Neuhann-Lorenz wurde gestern im Berliner Soho House die Gewinnerin des diesjährigen „Prix Veuve Clicquot“ gekürt: Die Medizinerin erhielt die Auszeichnung für ihr Engagement für die Hilfsorganisation „Women for Women“.
Als Fachärztin für plastische und ästhetische Chirurgie trägt Neuhann-Lorenz in Indien dazu bei, dass Frauen, die von ihren Familien verstoßen wurden, neuen Lebensmut fassen können: Constanze Neuhann-Lorenz fliegt mit einem Team regelmäßig in das Land, um dort Frauen zu operieren, die mit Benzin übergossen und angezündet wurden, weil sie zu wenig Mitgift in die neue Familie einbringen. Zusammen mit der Plastischen Chirurgin Marita Eisenmann-Klein hat Constance Neuhann-Lorenz 2008 die Hilfsorganisation Women for Women gegründet, um Frauen in Indien, Bangladesch oder Pakistan kostenlos zu behandeln. Inzwischen ist ein internationales Netzwerk aus 90 Spezialistinnen entstanden, die ihren Urlaub opfern, um zu helfen.
SAAL ZWEI hat am Rande der Veranstaltung mit Constance Neuhann-Lorenz über ihr Engagement gesprochen.
 
Berlin/Hamburg, 26.8.2014 – Von Nicole Mai
Constance Neuhann-Lorenz, Gewinnerin des Prix Veuve Clicquot 2014 (li.) und Nicole Mai, SAAL ZWEI

Frau Neuhann-Lorenz, was war Ihre Motivation, dieses Engagement für die Frauen in Indien aufzusetzen?
  
In jedem Arzt steckt der Drang, Menschen zu helfen, auch über den klassischen wirtschaftlichen Einsatz in der Praxis oder im Krankenhaus hinaus. Für mich war es immer klar, wenn ich humanitäre Hilfe leiste, soll sie aus meinem laufenden Betrieb heraus möglich sein – ohne, dass ich meine tägliche Arbeit in der Praxis komplett aufgeben muss. Die Kombination aus beidem war mir sehr wichtig.

Warum haben Sie sich als Ärztin für plastische Chirurgie gerade für die Hilfe von Frauen in Indien in angrenzenden Ländern entschieden?

Plastische Chirurgie transportiert leider immer noch das Bild, dass es bei den Eingriffen nur um reine Schönheits-OPs geht. Dass es viele Menschen gibt, die unter ihrem Äußeren seelisch leiden und krank werden, ist nicht gleich die erste Assoziation. Die Frauen in Indien tarnen ihre körperlichen Verbrennungen oft als häuslichen Unfall, sie möchten sich nicht als Opfer fühlen und die Schmach ertragen, von der Familie verstoßen worden zu sein. Bis sie sich zum Arzt trauen, ist es ein sehr langer Prozess. Wenn wir als Frauen und Medizinerinnen kommen, schaffen wir Vertrauen, die Patientinnen lassen sich helfen und können neuen Lebensmut finden.

Darüber hinaus ist es mir ein Anliegen, den Beruf der plastischen Chirurgie gerade Frauen ein Stück näher zu bringen, sie zu einem gemeinsam Zweck zu vernetzen und die Wichtigkeit dieses Ausbildungsbereichs aufzuzeigen. Durch viele Vorträge im Rahmen meiner Verbandsarbeit für IPRAS – International Confederation for Plastic and Reconstructive and Asthetic Surgery – habe ich die Möglichkeit, viele junge Mediziner und Medizinerinnen zu erreichen.

Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung des Prix Veuve Clicquot 2014? 

Für mich bedeutet der Preis eine wichtige Aufmerksamkeit für das Projekt Women for Women und eine Auszeichnung an alle Kolleginnen, die sich engagieren. Wir alle sind die Preisträgerinnen.

www.womenforwomen-ipras.org

www.prix-veuve-clicquot.de

Constance Neuhann-Lorenz, Nominierte Gesche Joost, Moderatorin Katrin Bauerfeind, Alexa Agnelli (Veuve Clicquot), Nominierte Nelly Kostadinova

Bild in der Mitte: Die Nominierten und die Preisträgerin v.l.: Gesche Joost, Nelly Kostadinova, Dr. Constance Neuhann-Lorenz, Feo Aladag, Ulla Holthoff und mittig Jens Gardthausen, Geschäftsführer Veuve Clicquot Deutschland

SAAL ZWEI abonnieren

Mittwoch ist SAAL ZWEI-Tag:

Erhalten Sie jeden Mittwoch die neue Ausgabe
des Online-Magazins für Frauen direkt in Ihr
Postfach: Businesstrends, Exklusiv-Interviews,
Karrieretipps, Lifestyle, ... – gratis!

Bekannt aus:

SAAL ZWEI-GASTAUTOREN

Claudia Wanner
Petra Wiegers
Nicole Bastian
Ursula von der Leyen
Rio de Janiero
Wohnungsleerstand