"Karriere dank Aussehen? Macht doch, was ihr wollt!"

Annette Alsleben fühlt sich zunehmend irritiert, wenn sie mal wieder von Styling-Tipps für Business Frauen liest. Gibt es das auch für die Herren? Und ist das Aussehen wirklich wichtig, um gute Arbeit abzuliefern? Sie hat ihre Antwort längst gefunden. Und wünscht sich, künftig einfach unbehelligt ihre Arbeit machen zu können.
München, den 22. Juni 2016 - Von Annette Alsleben

"Es häuft sich, dass Artikel über Styling für Business-Frauen in den Medien erscheinen. Auch die Diskussion um die neue Barbie, die jetzt auch dick oder schwarz sein darf - oder sogar ein Kopftuch trägt -, ist noch nicht lange her.

Was bei mir dabei als Botschaft ankommt: Mädels, wollt ihr in der Welt des Business' was sein, achtet auf euer Äußeres! 'More sex and style please!'
Ehrlich gesagt, löst das bei mir ziemlichen Widerstand aus, da meine Erfahrungen in eine ganz andere Richtung gehen. Meine Kernbotschaft lautet: Wahre Wirkung kommt von innen – Styling und Äußeres ist 'nice-to have'. Ob jemand eine Menge Zeit und Geld darin investiert, sollte jedem selbst überlassen sein – unabhängig vom Diktat der Medien.
Im Gegenteil: Gerade der Erfolg der Sängerin Adele zeigt doch, dass Frauen auch mollig eine Top-Aufmerksamkeit und Wirkung erzielen können. In ihrem Fall durch Stimme und super viel Gefühl in den Songs.

Optik ist ein Türöffner – mehr nicht!

Denke ich dabei an meine eigene Führungspraxis zwischen all den Alpha-Männern, freue ich mich – na klar - auch über Komplimente der Herren zu meinem Äußeren. Selbstredend achte ich darauf, im korrekten, gepflegten Business-Style mit dezentem Make-up in Entscheider-Meetings anzutreten. Die Garderobe darf auch ruhig weiblich sein. Aber immer formal korrekt und anschlussfähig, nie 'too much'.
Ein gekonntes Styling bei Business Frauen ist ein Türöffner für Sympathie und Zugewandtheit. Aber mehr auch nicht. Womit ambitionierte Damen und Herren wirklich überzeugen, sind doch die Fähigkeiten in der Sache. Mir war es daher immer wichtig, nach dem ersten Austausch von netten Komplimenten zum Äußeren schnell weiter zu den Inhalten zu kommen.
Andererseits störe ich mich daran, wenn ich einen seniorigen Topmanager treffe, der ein wirklich olles Tweet-Jackett trägt. Das obendrein auch noch leicht streng riecht. Fahnen von After-Shave an gelackten Berater-Geckos mit gegeeltem Haar mag ich hingegen auch nicht. Die gesunde Mischung macht's!

In den Top-Etagen sehe ich wenig Botox

Die Frauen um mich herum, die ich im Top-Management erlebe, sind allesamt bodenständig und geerdet. Da gibt es kein Geflöte und Gesäusel. Sie haben sich Respekt und Achtung durch fachliche Fähigkeiten, den Glauben an sich selbst und souveränes Verhalten im Miteinander erarbeitet. Schritt für Schritt – das geht nicht über Nacht und auch nicht mit Botox. Ich erlebe sogar, dass ein Zuviel an Styling eher vom Eigentlichen ablenkt.
Mir wäre das ohnehin zu stressig. Und Zeit und Lust habe ich dafür auch nicht. Ich denke dabei vor allem auch an die karriereambitionierten Mütter unter uns, mich eingeschlossen. Wie kriegt man also die ambitionierten Mütter in die Chefsessel? Durch gut gemeinte Ratschläge, dass hohe Hacken oder farbige Accessoires Wunder wirken, sicher nicht. Das löst bei mir und meinesgleichen höchstens Schnapp-Atmung und Aggression aus.
Schließlich genießen gut ausgebildete Mütter auch gern die Zeit am Nachmittag mit den Kindern. Um Schönes zu erleben oder um sie bei den Hausaufgaben zu unterstützen. Zudem stehen Mütter immer auch vor der Entscheidung: Wähle ich das teure Designer-Kostüm fürs Business oder investieren wir in Ballett, Sport oder Instrumenten-Unterricht für die Kinder? Auch der Familienurlaub und das Skifahren mit den Kids wollen bezahlt sein.

Also: Druck raus bei der ganzen Diskussion um Stil und Style!

Jede Frau soll es doch bitte mit dem Styling halten, wie sie mag. Wirkliche Performance wird in der Sache, nicht durch die Optik geliefert. Habt Spaß am Styling, aber konzentriert euch auf das Wesentliche! Wahre Glaubwürdigkeit zeigt sich wie immer, wenn man authentisch ist.

Übrigens: Letztens wurde in einem namhaften Konzern ein ehemaliger Bereichsleiter zum Vorstand berufen, der brillant in den Inhalten ist – aber in Bereichsleiter-Meetings häufiger völlig nachlässig in mausgrauem Freizeitlook daherkam. Geht auch. Wozu also der Stress?"

Annette Alsleben ist Top-Management-Beraterin und Rednerin, sie hat mehr als 20 Jahre Führungserfahrung in Konzernen wie BMW, Lidl und Bayer. Mehr Infos unter ihrer www.annette-alsleben.de . An dieser Stelle berichten abwechselnd Managerinnen und Unternehmerinnen aus ihrem Führungsalltag - exklusiv für SAAL ZWEI-Leserinnen. Weitere Informationen zu den Kolumnistinnen finden Sie hier.

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