"Wir wollen das Banking für junge Frauen sexy machen"

Mit den "Finteach Ladies" ist kürzlich ein weiteres Berliner Frauennetzwerk an den Start gegangen. Damit es kein Zirkel wird, bei dem sich Frauen gegenseitig bemitleiden, setzen die Initiatorinnen aufs Geschäftemachen. Sie bringen Managerinnen aus der Banken- und der Fintech-Welt zusammen, damit sie voneinander lernen - und profitieren - können. Carolin Gabor, Managing Director von Finleap, ist eine der Aktiven: "Ich glaube an Frauennetzwerke", sagt sie. "Aber nur an die guten."
Carolin Gabor, Finleap
Berlin, den 03. August 2016 - Von Carolin Gabor

"Ein Netzwerk für Frauen. Ein Frauennetzwerk. Ein Ort zum Vernetzen für Frauen. Egal, wie mann (oder frau) es formuliert, der Begriff des Frauennetzwerks ruft meist nur noch Stöhnen hervor, selbst bei denjenigen, für die es eigentlich aus der Taufe gehoben wurde. Schon wieder so eine weibliche Initiative, die wenig bringt, heißt es dann. Schon wieder so ein Treffen, wo sich Frauen darüber austauschen, wie schwer sie es haben. Ein Stammtisch der Litanei und des Jammerns, in dem sich alle zwar bemitleiden, aber auch alle im Kreis drehen.
Männer hingegen brauchen keine Aufforderung zum Kontakte knüpfen, sie vernetzen sich einfach überall: auf Panels, beim Sport, an der Bar.

Ich glaube an Frauennetzwerke. Aber nur an die Guten. Wie zum Beispiel die 'Fintech Ladies', die von Christine Kiefer, Geschäftsführerin von Pair Finance, gegründet wurden. Ich engagiere mich dort, seitdem ich meinen Job bei der Fintech-Schmiede Finleap angefangen habe. Wir bauen sogenannte Fintechs, also digitale Geschäftsmodelle für die Finanzwelt, vom Kontowechsel-Tool bis zur Techplattform mit Vollbanklizenz. Pair Finance gehört ebenfalls dazu, die Firma macht das analoge Inkasso-Gewerbe digital und kundenfreundlich.

Gerade in der Finanzbranche sind Frauen in Führungspositionen dünn gesät. Die Fintech Ladies bringen sowohl Chefinnen aus dem Bankenbereich wie auch Gründerinnen aus der digitalen Fintech-Welt zusammen. Wir wollen den Austausch fördern, uns gegenseitig kennenlernen. Aber - und vor allem: nicht nur über Business reden, sondern machen.
Gerade haben wir das zweite Dinner der Ladies in Berlin ausgerichtet, ein voller Erfolg mit knapp 30 Teilnehmerinnen aus den Banken- und Fintech-Bereich. Diese Mischung von Frauen, vereint an einem Tisch, spiegelt den Stand der Branche wieder. Es geht nicht um einen Kampf zwischen den digitalen Unternehmen und den ehrwürdigen Geldhäusern, sondern um Kooperation und Zusammenarbeit. Beide Seiten brauchen einander, als Partner, Kunden oder Dienstleister. Wir schlagen in diesem Sinne eine doppelte Brücke.
Berührend waren für mich bereits die Zuschriften vor dem Treffen: Wie sich manche Teilnehmerinnen ehrlich gefreut haben über die Einladung, wie schnell und positiv die Initiative angenommen wurde, als hätten einige nur auf diese Gelegenheit gewartet.
In Zukunft sollen weitere Treffen statt finden, auch im größeren Rahmen, wie zum Beispiel einer Konferenz. Damit wird das Netzwerk breiter und kann sich auch jungen Frauen öffnen, die sich für die Finanzwelt interessieren, aber bisher noch keinen Zugang hatten. Für sie wollen wir Banking entstauben und es wieder so sexy machen, wie es eigentlich ist. Und ihnen den Einstieg in die, immer noch männerdominierte, Branche erleichtern.

Nichts hilft beim Karriere-Einstieg so viel, wie eine Person, die schon im Business drin steckt, bei der man sich Rat holen und die einen durch ihr eigenes Netzwerk weiter bringen kann. Ich weiß das aus eigener Erfahrung, war ich doch oft die einzige Frau unter Männern. Mühsam habe ich mir Stück um Stück abgeschaut, wie es meine Kollegen auf der Management-Ebene machten, wie sie erfolgreich Teams führten und mit den richtigen Kontakten im Gepäck weiter voran kamen. Aus vielen männlichen Rollenvorbildern habe ich mir schließlich meinen eigenen Führungsstil zusammen gebastelt: tough im Business, aber mit einem warmen Herzen und echtem Interesse für die Menschen um mich herum. Ich lebe nach diesem Vorbild jeden Tag - und die positive Stimmung an meinem Arbeitsplatz und meine Erfolge geben mir Recht, damit weiterzumachen.

Damit andere Frauen es leichter haben als ich, engagiere ich mich. Bei den Fintech Ladies können Frauen sowohl Rollenvorbilder finden als auch Rat und Hilfe. Eine Chance für mich, der einen oder anderen vielleicht eine Mentorin sein zu können. Ich bin es gern."

Dr. Carolin Gabor, 39, ist Managing Director bei Finleap und verantwortet die Bereiche "Growth" und "Exit" der Finleap-Beteiligungen. Vorher hat sie  topftarif.de und autohaus24 zum Verkauf geführt. Gabor lebt mit ihren zwei Töchtern in Berlin. An dieser Stelle berichten abwechselnd Managerinnen und Unternehmerinnen aus ihrem Führungsalltag - exklusiv für SAAL ZWEI-Leserinnen. Weitere Informationen zu den Kolumnistinnen finden Sie hier.  

Hier finden Sie alle Beiträge der Reihe "Management-Tipp - ganz persönlich".

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