"So schafft man den Wandel zur zukunftsfähigen Führungskultur"

Wenn Technologie-Start-ups heute zeigen, wie moderne Führung aussieht - was können Traditionsunternehmen dann von diesen sehr viel jüngeren und kleineren Unternehmen lernen? Constanze Buchheim, Gründerin der Personalberatung Ipotentials, meint, Organisationen brauchen künftig sehr viel stärkere Visionen, um reussieren zu können. Und, so schreibt sie in ihrer Management-Kolumne, brauchen sie "reife reflektierte Manager, die in der Lage sind, das eigene Ego zugunsten des Ergebnisses in den Hintergrund zu stellen und dem Mitarbeiter zu geben, was er braucht, um sein Ziel zu erreichen". Klingt gut, finden wir, und sind gespannt auf die Umsetzung.
Berlin, den 05. Oktober 2016 - Von Constanze Buchheim
Constanze Buchheim, Ipotentials-Gründerin

"Digitalisierung bedeutet vor allem eins: massive Beschleunigung durch exponentielle technologische Entwicklung. Dadurch entsteht ständiger Anpassungsdruck in Unternehmen, und die Anforderungen an die Wandlungsfähigkeit einer Organisation steigen immens. Zur Sicherung der Agilität und Wendigkeit von Organisationen braucht es daher neue Konzepte: den Wandel von der formalen Stellenhierarchie zum Rollendenken, agiles Ressourcen- und Prioritätenmanagement statt starrer Planungskonzepte und vor allem den Wandel von einer prozessorientierten in eine ergebnisorientierte Führungskultur. Einer Kultur, in der es kein ‚das haben wir schon immer so gemacht’ mehr gibt und in der Innovation mehr wert ist als Fehlerfreiheit und Effizienz – zugunsten echten Fortschritts und für die Erhaltung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit.

Grundlage dieses Kulturwandels ist ein verändertes Verständnis von Führung, in dem die Arbeitsbeziehung ein ergebnisorientiertes Miteinander ist und Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet, weil alle auf das gleiche gemeinsame Ziel, die Vision hinarbeiten. Organisationen brauchen daher künftig starke Visionen, die über monetäre Ziele hinausgehen und Identifikation ermöglichen. Und sie brauchen reife reflektierte Manager, die in der Lage sind, zugunsten des Ergebnisses das eigene Ego in den Hintergrund zu stellen und dem Mitarbeiter zu geben, was er braucht, um das Ziel zu erreichen. Nicht der Manager, sondern der Mitarbeiter wird und ist in diesem Modell der Wissensträger – dem Manager obliegt die Rolle des Befähigers. Ein Managementteam zusammenzustellen, das dieses Führungskonzept trägt, wird zur obersten Führungsaufgabe. Die Signale, die dieses Team nach innen und außen sendet, nehmen massiven Einfluss auf die Unternehmensattraktivität und die Mitarbeitergewinnung.

Vertrauen und Begleitung ersetzen in diesem Modell Kontrolle, starke Unternehmenswerte schaffen Handlungsrahmen und damit Freiraum für den Weg – solange das Ziel erreicht wird. Eingegriffen wird nur, wenn Werte verletzt werden oder die Zielerreichung auf dem Spiel steht. Damit entsteht ein System abgesicherter Freiheit, das Unternehmens- und Mitarbeiterinteressen gleichermaßen berücksichtigt und auch Präferenzen verschiedener Generationen integrieren kann.
Der Wandel der Führungskultur kann dabei nur top down, von den Lenkern des Unternehmens ausgehen. Sie müssen sich mit den relevanten Marktveränderungen auseinandersetzen und Impulse aufnehmen, die strategischen Grundlagen (Vision und Werte) exzellent und frei von Marketing--Bullshit formulieren und vor allem ein Managementteam zusammenstellen, das Ergebnisorientierung und Eigenverantwortung im Unternehmen aufblühen lässt. Konsequenz und Überzeugung sind für diesen Change-Prozess die relevanten Erfolgsfaktoren. Recruiting wird in diesem Setup zur Kernkompetenz, da es gelingen muss, Teammitglieder zu rekrutieren, die nicht nur fachlich, sondern auch persönlich so gut passen, dass man ihnen das nötige Vertrauen schenken kann.
Um die Grundlage zukunftsfähiger Führungskulturen zu schaffen, sollte man künftig stärker in die persönliche Reflektion gehen und sich folgende Frage im Recruiting stellen: 'Was muss der- oder diejenige mitbringen, wie muss er oder sie sein, damit ich blind vertrauen kann?' Nur dann wird man den Freiraum gewähren, der nötig ist für eine ergebnisorientierte Arbeitsweise und damit für Agilität."

Constanze Buchheim ist Gründerin und Geschäftsführende Gesellschafterin von Ipotentials, einer Personalberatung für die Digitalwirtschaft, und SAAL ZWEI-Kolumnistin. An dieser Stelle berichten abwechselnd Managerinnen und Unternehmerinnen aus ihrem Führungsalltag - exklusiv für SAAL ZWEI-Leserinnen. Weitere Informationen zu den Kolumnistinnen finden Sie hier.

 

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