"Der Treiber zum Wandel in der Arbeitswelt ist die junge Generation"

Seit 2015 kooperiert SAAL ZWEI mit der Initiative "Building on Diversity", die von GE Capital Germany gemeinsam mit dem Verband der Business and Professional Women Germany (BPW) bereits vor vier Jahren ins Leben gerufen wurde. In den vergangenen Monaten haben alle drei Partner gemeinsam in der SAAL ZWEI Community über den Wertewandel und damit auch den Wandel zu mehr Diversity in der Arbeitswelt diskutiert. Bei SAAL ZWEI ziehen Joachim Secker, CEO bei GE Capital Germany, und Rosemarie Steinhage, Vizepräsidentin beim Verband BPW, Bilanz, was sich seit dem Start der Initiative und insbesondere im letzten Jahr aus ihrer Sicht in den Unternehmen und den Köpfen geändert hat.
München/Wiesbaden/Hamburg, den 13.01.2016 - Von SAAL ZWEI
Joachim Secker, Chief Executive Officer, GE Capital, Germany

SAAL ZWEI: Herr Secker, vor vier Jahren haben Sie die GE-Initiative "Building on Diversity" ins Leben gerufen. Inwiefern ist Ihr Unternehmen, aber auch die deutsche Wirtschaft, seitdem vielfältiger geworden?

Joachim Secker:
Tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahren insgesamt viel getan. Als international tätiger Finanzdienstleister, der Geschäftskunden innovative Finanzierungslösungen anbietet, fördert GE Capital seit Jahren Vielfalt innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Und auch der Erfolg unserer Initiative „Building on Diversity“ zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind: Die gemeinsam mit dem BPW Germany e.V. veranstalteten Workshopreihen „Karrierewege für Frauen“ und „Meine Werte – Meine Zukunft“ fanden bundesweit große Resonanz. Die Förderung von Vielfalt ist aber auch bei den meisten Mittelständlern in Deutschland Chefsache, wie wir 2015 in unserer Studie „Triebwerk des Erfolgs – der deutsche Mittelstand im Fokus“ in  Zusammenarbeit mit dem IfM Bonn gesehen haben. Demnach ist Diversity ein wesentlicher Faktor für den Unternehmenserfolg und für einen Großteil der Mittelständler selbstverständlich. Mehr als 90 Prozent der befragten Unternehmen verfügen auf mindestens einer Hierarchieebene über zuständige Mitarbeiter zur Förderung von Vielfalt. Bei 77 Prozent ist die Zuständigkeit in der Geschäftsführung angesiedelt, also Chefsache.

Wenn Sie größtmögliche Vielfalt für GE Capital anstreben: Wo befinden Sie sich auf dem Weg, Ihr Ziel zu erreichen?

GE ist ein Arbeitgeber, der Frauen weltweit bei ihrer Karriere- und Familienplanung nachhaltig unterstützt. In Deutschland ist GE u.a. Mitglied der „Charta der Vielfalt”, einer bundesweiten Initiative und Selbstverpflichtung für mehr Vielfalt in Unternehmen. Wir haben heute bei GE Capital in Deutschland einen Frauenanteil von knapp 40 Prozent, rund ein Viertel unserer Führungskräfte sind Frauen. Unser Ziel ist es, diesen Anteil weiter kontinuierlich zu steigern.

Rosemarie Steinhage, Vizepräsidentin des Verbands BPW Germany sowie Business Coach und Trainerin

SAAL ZWEI: Frau Steinhage, die Business & Professional Women sind als Verband von Anfang an Kooperationspartner. Was hat sich in Ihren Augen in den vergangenen Jahren getan?

Rosemarie Steinhage:
Die Workshop-Reihe „Building on Diversity – Karrierewege für Frauen“ war das Pilotprojekt, das wir 2012 bis 2014 im Rahmen einer Unternehmensmitgliedschaft mit GE Capital realisierten. Inzwischen identifizieren mehr Unternehmen die Themen Diversity sowie Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Wettbewerbsfaktor. Sie wollen Frauen, die ja hochqualifiziert sind und sehr gute Leistungen erbringen, auch über die Elternzeit an ihr Unternehmen binden. So kommen sie auf den BPW Germany zu und fragen, was sie dafür tun müssen und suchen nach Lösungen oder Möglichkeiten des gemeinsamen Engagements. Die junge Generation sucht Erfüllung in der Arbeit und Einklang von Beruf und Familie. Ihre Forderungen werden die Treiber des Wandels in den Unternehmen sein. Unternehmen müssen sich dazu positionieren, wenn sie ein attraktiver Arbeitgeber für Frauen und Männer und wettbewerbsfähig bleiben wollen.

Nach Wiedereinstiegskursen für Mütter hat Ihr Verband im zurückliegenden Jahr Werte-Workshops angeboten. Dabei waren erstmals auch Männer eingeladen. Ist Gender Diversity endlich auch ein Thema für Herren? 

Steinhage: Ja – hier tut sich wirklich etwas.  Die jungen Männer heute sind teilweise schon in Haushalten aufgewachsen, in denen auch Mütter arbeiten oder gar die Hauptverdienerinnen sind. Am Arbeitsplatz erleben sie leistungsstarke Frauen in ihren Teams. Sie sehen, dass ihre neue Chefin einen richtig guten Job macht. Kinder fragen heute ihre Mütter, warum arbeitest du nicht? Da verändert  sich das Denken.
Im Privaten wollen zunehmend Männer die Kindererziehung mit ihren Partnerinnen gleichberechtigt teilen. Sie kämpfen genauso gegen Rollenerwartungen, die ihnen vorschreiben, wie Sie arbeiten oder leben sollen. Es gehen immer mehr Männer in Elternzeit und sind aktive Väter (die auch für ihre Töchter Chancengleichheit wollen). Jedoch fiel uns in den Workshops auf, dass die jungen Männer zwar mehr Zeit mit ihren Kindern und der Familie verbringen wollen, aber nicht unbedingt kürzere Arbeitszeiten anstreben. So bleibt es häufig dabei: Vollzeiterwerb für den Mann, Hauptfamilienarbeit für die Frau. Da immer mehr Frauen auch berufstätig sein und bleiben wollen, bin zuversichtlich, dass sich das in Zukunft weiter zu einem gleichberechtigten Leben ändern wird. 

Herr Secker: Wenn es um Vielfalt geht, kommt man im Jahr 2016 nicht um das Flüchtlingsthema herum: Unternimmt Ihr Unternehmen Anstrengungen, um Flüchtlinge ins Arbeitsleben zu integrieren?

Secker: Im Rahmen der GE Foundation engagieren wir uns bereits seit Jahren für Flüchtlinge. Darüber hinaus sind wir auch direkt vor der eigenen Haustür in der Nachbarschaft aktiv, indem wir unsere Mitarbeiter ermutigen, sich ehrenamtlich als GE Volunteers in der lokalen Gemeinschaft einzusetzen. Sowohl auf deutscher als auch europäischer Ebene wurden voriges Jahr zahlreiche Projekte für Flüchtlinge initiiert und erfolgreich umgesetzt.

Frau Steinhage, wie sieht es beim BPW aus: Inwiefern engagieren sich Ihre Mitglieder?

Steinhage: Viele Unternehmen sehen inzwischen in den Flüchtlingen potentielle Arbeitskräfte und verfolgen – in unterschiedlichem Maß – Strategien zur Integration. Der BPW setzt sich für gleichberechtigte Chancen für Frauen im Beruf ein. Unsere Herausforderung ist es deshalb, dafür zu sorgen, dass die geflüchteten Frauen und Mädchen Teilhabe am Arbeitsleben und damit eine Chance auf ein eigenständiges Leben haben. Der BPW Europe hat Verbände und Clubs in allen Ländern aufgerufen, Frauen bei der Suche nach einem Arbeitsplatz zu unterstützen. Viele BPW Mitglieder engagieren sich bereits und bieten spezielle Angebote für Flüchtlingsfrauen.

Abschließende Frage: Was wünschen Sie sich für 2016?

Secker: Im Geschäftlichen wünsche ich mir, dass wir 2016 an den Erfolg der vergangenen Jahre anknüpfen und unseren Wachstumskurs fortsetzen. Digitalisierung ist nach wie vor eines der großen Themen, das uns auch 2016 beschäftigen wird und das wir selbstverständlich weiterhin vorantreiben. Für die Marktentwicklung insgesamt wäre ein Ende der Niedrigzinsen und der Geldschwemme wünschenswert. Im Privaten wünsche ich mir vor allem weiterhin Gesundheit für mich und meine Familie.

Steinhage: Die Vision des BPW ist eine Welt, in der Frauen und Männer in Beruf und Familie, unabhängig vom Geschlecht, von Hautfarbe, Religion... vollkommen gleichberechtigt miteinander leben. Diese Vision ist und bleibt auch meine. Ich wünsche mir, dass sich alle Menschen aktiv für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern einsetzen, vor allem damit bei sich selbst beginnen. Gerechtigkeit schafft Frieden. Dabei denke ich an den Song von John Lennon, den ich leicht abändere:

'Imagine all the people
Living in justice and peace...
I hope someday you'll join us.
And the world will live as one.'

Joachim Secker ist seit 2008 Chief Executive Officer von GE Capital Germany und verantwortet neben dem Leasing- und Factoring-Geschäft u.a. auch die Bereiche Investitionskredit, Lagerfinanzierung, Fuhrparkmanagement und Fuhrparkleasing. Der gelernte Industriekaufmann und Absolvent der Frankfurter Bankakademie ist ein Experte im Finanzdienstleistungsbereich und kennt das Factoringgeschäft seit mehr als 30 Jahren. 

Rosemarie Steinhage ist als Business Coach und Trainerin tätig und engagiert sich ehrenamtlich als Vizepräsidentin des Verbands Business & Professional Women Germany. Sie führte mehrere Workshops für die Generation Y zum Thema: "Meine Werte - meine Zukunft, was mir im Leben wirklich wichtig ist“ in Kooperation mit GE Capital und SAAL ZWEI durch. 


SAAL ZWEI kooperiert seit 2015 bei der Initiative "Building on Diversity" mit dem Verband Business and Professional Women sowie GE Capital. Alle Partner setzen sich für Diversity in Unternehmen und der Gesellschaft ein. Bei unseren SAAL ZWEI lokal-Abenden diskutierten wir über das Thema mit spannenden Gästen. 
Ein Rückblick zu München...

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